Chris Jones zu Gast beim NightTalk der Masterlab Academy

ITunes, Youtube, Spotify, Amazon und co. – So sollte Euer Song sein!


Spezifikationen der Streaming Dienste

Lautheit für den Upload bei Youtube, Itunes, Spotify, Amazon und co.

Beim Upload von Songs für die jeweiligen Streaming-Dienste gibt es in Sachen Audio Spezifikationen und Lautheit einiges zu beachten. Folgende Themen findet Ihr in unserem Info-Tutorial.

  • Geschichte der Lautheitsbegrenzung
  • Lautheit und Spezifikationen für die Streaming Portale
  • Was heißt LUfs und wie wird hier gemessen
  • Möglichkeiten zur Erhöhung der Lautheit
  • Warum manche Songs „lauter“ klingen als andere Songs

 

Geschichte der Lautheitsbegrenzung auf Streaming Portalen – Loudness War

Mit „loudness war“ bezeichnet man die zunehmende Tendenz der Musikindustrie, Musik in allmählich immer höheren Lautheitspegeln zu produzieren, um einen Klang zu erzeugen, der sich von dem anderer Künstler abhebt. Anfangs brach zwischen UKW-Radiosendern ein sogenannter „loudness war aus. Ein Mittel, um einen Konkurrenzkampf um Bewertungen der Hörer für die jeweiligen Sender auszufechten. Bald darauf fingen Plattenlabels an, die Lautheit sowohl ihrer LP- als auch CD-Produktionen zu erhöhen. Der Hauptgrund für dieses Wettrüsten liegt in den (subjektiven) Vorteilen der lauter produzierten Variante. Es entsteht nämlich ein subjektiv besserer Höreindruck, der auf die Art und Weise der Wahrnehmung von Schalldruck in verschiedenen Pegeln beim menschlichen Ohr zurückgeführt werden kann.

Beim Menschen hängt die Fähigkeit, auf unterschiedliche Frequenzen zu reagieren, unter anderem vom Schalldruckpegel ab; folglich kann angenommen werden, je mehr der Schalldruckpegel erhöht wird, desto größer ist die Anzahl an wahrnehmbaren hoch- und niederfrequenten Tönen. (Wikipedia)

Der „loudness war“ findet fast überall statt, egal ob es der DJ ist, der nicht möchte, dass sein Track im Dj-Mix untergeht bzw. den Druck aus der Tanzfläche nimmt. Der Rapper, der nicht möchte dass sein Kontrahent lauter ist als er. Auch beim Fernsehen gab es mal einen Lautheitskrieg, vielleicht kann sich noch der eine oder andere an die Zeiten erinnern, als man bei Werbeunterbrechungen immer den Ton leiser regeln musste weil die Werbung um ein vielfaches lauter war als das TV Programm, passiert jetzt nur noch ganz selten stimmt´s? Das wurde 2012 mit dem laufenden TV Programm „harmoniziert“. Genauso auch die die Lautheit der öffentlich rechtlichen und privaten Fernsehsender. Das hat bis vielleicht auf ein paar wenige „Pannen“ gut funktioniert, anders ist es aber in der Musikindustrie. Hier, so habe ich das Gefühl, hat der loudness war ein ganz neues Level erreicht. Jetzt ist es ein kalter Lautheitskrieg. Regulierungsversuche werden ignoriert und noch amüsanter sind die (vielleicht unabsichtlichen?) Tricks der Labels und Ingenieure die Algorithmen der jeweiligen Portale zu überlisten und trotzdem lautere Musik als andere zu veröffentlichen.

Nach dem Youtube, Spotify, iTunes und andere Streaming Dienste vor ein paar Jahren bekanntgegeben haben, dass sie Musik ebenfalls „harmonizieren“ möchten (sie nennen es loudness normalization), ist die Musik plötzlich noch lauter geworden. Auch Musik, die bereits von den Portalen normalisiert wurde, klingt trotzdem Lauter als ein anderer Titel in der selben Lautstärke.

Lautstärke gewinnt jeden Contest ausser den audiophilen Contest, ausser wenn es irgendjemanden interessiert wie es klingt, natürlich.

-Richard Dodd (Recording/Mastering Engineer)

Lautheit und Ihre Spezifikationen für Streaming Dienste

Unterschiedliche Anbieter, unterschiedliche Richtlinien. Um Euch das Ganze ein wenig zu vereinfachen, findet Ihr hier eine übersichtliche Tabelle mit den Uploadspezifikationen für die jeweiligen Anbieter.

PortalItunesAmazon MusicSpotifyYoutubeSoundcloud
Lautheit (LUfs)-16 Lufs-14 LUfs-14 LUfs-13 LUfs-9 LUfs
Headroom Truepeak-1 dbTP-1 dbTP-1 dbTP –

-2 dbTP

-1 dbTP-1 dbTP
Bittiefe16/24 (HD, Mfit)16/2416/241616/24
FormatWave, AAC, aiffMp3,m4a, wma, wav, ogg, flac, aiffWav, FlacWav,Wav
Samplerate (khz)44,1/9644,1 oder höher44,1 oder höher44,1/48/ 88,2/9644,1 oder höher

Alle Infos haben wir in einer PDF zum kostenfreien Download zur verfügung gestellt.

Spezifikationen Streamingdienste PDF Download

 

Was heißt LUfs und was wird hier gemessen?

Die ITU (International Telecommunication Union) hat im EBU Dokument (R128) unter anderem die Messmethode LU (Loudness Unit) zur objektiven Messung einer subjektiven Größe aufgenommen. LU zeigt den Unterschied von Pegelabsenkungen und Pegelverstärkungen. Der absolute Messwert wird daher LUfs (Loudness Unit Full Scale) genannt. Also die absolute Lautheit in Vollaussteuerung. Wobei hier 1LU als 1db zu werten ist und laut EBU Dokument R128 -1 dbTP (dezibel True Peak) empfohlen wird.

Die LU Messung sieht 3 Messzeiten vor. Diese sind:

Momentary loudness: Hier wird die letzten 400ms als Berechnungsgrundlage genutzt.

Short term loudness: Hier werden die letzten 3 Sekunden zur Berechnung herangezogen.

Itegrated loudness: Hier wird über den kompletten Abspielzeitraum gemessen.

Doch ACHTUNG! Bei der momentary und short term loudness wird das Signal ungeregelt gemessen. Das heißt, alle akustischen Ereignisse werden hier gemessen. Bei der itegrated loudness wird jedes Signal, welches leiser ist als -23LUfs NICHT in die Berechnung einbezogen. Das liegt daran, dass im R128 Dokument die Loudness Range (ein statistischer Wert, der die Dynamik eines Abschnittes im Audiomaterial beschreibt) klar definiert ist. Diese besagt, dass vom Audiomaterial, welches mit integrated loudness gemessenen wird, nur dass Signal zur Messung heran gezogen wird welches zwischen 10 und 95% der Messung leigt.

Kurz gesagt: Ist etwas leiser als 10% des Signals über die ganze Materiallänge, wird es in der Messung nicht berücksichtigt, da in diesem Bereich meist Rauschen oder andere unerwünschte Geräusche liegen. Ist etwas lauter als 95% des gemessenen Signales, so wird dies auch nicht zur Berechnung hinzugezogen. Dies dient dazu, dass einzelne Geräusche wie Explosionen oder einer kurzer lauter Schrei den Durchschnittswert nicht beeinflussen um somit ein noch objektiveres Messergebnis zu erzielen.

Was heißt dbTP?

DbTP steht für Dezibel True Peak und ist wie die LU Messung im EBU Dokument R128 festgehalten und gibt dabei den wahren Spitzenpegel wieder. Im R128 Dokument wird der Spitzenpegel von -1 dbfs festgelegt und sollte nicht überschritten werden.

Intersampel Peaks und True Peak

Intersample Peaks werden meist bei der Konvertierung von analogen Signalen in digitale Signale erzeugt.  Wenn hier zwischen zwei Amplitudenpunkten die originalen Sampleinformationen fehlen, so findet bei dieser „Zusammenführung zweier Amplitudenpunkte“ eine Interpolation statt. Hat man hier also nicht genügend Headroom, so entstehen Pegelspitzen die über 0 dbfs gehen können. Die meisten DAWs erkennen diese „Übersteuerungen“ durch die A/D Konvertierung nicht, was nachhaltig das Soundbild verschlechtern kann.

Wie analysieren Streaming Dienste Audiomaterial und wie wird die Ausgangslautheit festgelegt?

Beim Upload Eurer Songs bei Spotify, Itunes und co wird erstmal hier erstmal unterschieden ob es sich um ein Album oder einen einzelnen Titel handelt. Handelt es sich um einen einzelnen Titel, so wird mittels eines speziellen Algorythmuses (z.B. ITU 1770) Euer Titel analysiert und die integrated loudness ermittelt. Dieser Wert wird dann als Metadaten dem Song hinterlegt. Entspricht Euer Song nicht den gewünschten Lautheitsvoraussetzungen, so wird entweder der Pegel auf die von dem Portal geforderte Lautheit abgesenkt bzw. normalisiert oder angehoben, sofern Euer Song zu leise ist. Spotify z.B. schaltet dann zusätzlich noch einen Limiter nach der bei -1 dbfs alle möglichen Pegelspitzen abfängt, sodass hier keine Übersteuerung entstehen kann.

Den ITU 1770 Algorythmus nutzen u.a. auch Replay Gain (Spotify nutzt z.B. dieses Programm), Winamp oder Foobar2000.

Eine sehr gute Möglichkeit Euren Song auf die durchschnittliche Lautheit zu überpüfen bietet die Seite Loudness Penalty. Hier wird gut angezeigt, wie die einzelnen Streaming Dienste Euren Song behandeln und ob er lauter oder leiser gemacht wird.

Möglichkeiten die Lautheit Eures Songs zu erhöhen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Lautheit von Produktionen zu erhöhen. Zum einen ist das uns allen bekannte und vertraute komprimieren der Musik. Der Dynamikumfang wird reduziert, somit die leisen stellen lauter gemacht, was zu einer verdichtung des Signals führt. Setzt man jetzt noch einen Limiter, der einigermassen gut arbeitet, auf das Ganze, so hat man schon eine amtliche Lautheit erreicht. Doch es gibt noch die Möglichkeit mit Sättigung zu arbeiten und die Lautheit noch weiter zu erhöhen.

Die Musikindustrie schläft nicht, „Audio-Nerds“ auch nicht. Oft klingen „Homeproduktionen“ dünn und schlapp, obwohl sie vielleicht identisch Laut zu Profiproduktionen sind- Das liegt u.a. an der Sättigung. Man erzeugt zum Beispiel durch Röhren Eqs oder Röhren Kompressoren, harmonische Verzerrungen welche die Musik noch voller, noch kräftiger klingen lassen. Sie wird präsenter, mehr „in your Face“. Ich bekomme sehr oft Feedback von Kunden die schreiben, dass der Bass  jetzt schon druckvoll und rund, die mitten definiert, die Höhen seidig und klar klingen. Sättigung kann man natürlich noch viel weiter treiben in dem man nicht nur die Summe, wie es beim Mastering üblich ist, sättigt, sondern schon beim Mixdown analog Summiert. Hier werden Gruppen (Stems) gebildet und jede Gruppe wird durch einen Kanal im analogen Summierer geschickt und wieder zurück in die DAW geholt. Dies ist praktisch die günstigere Alternative zu den Grosskonsolen, die man sie in manchen Recording Studios noch sehen kann. Hier ein kleines Beispiel zum Summierer:

Ja, ich weiss, es hört sich vielleicht für viele unspektakulär an. Es ist nur ein Mixdown. Wer aber genau hinhört, erkennt, dass genau dort die 10%, die eine Homeproduktion von einer Profiproduktion unterscheiden versteckt sind. Diese kommen für „unerfahrene Ohren“ erst nach dem Mastering zum Vorschein. Zu dem kommen noch andere Faktoren wie Mikros, Amps, der Raum und die Wandler die man beim Recording benutzt. Sogar die Samples die man benutzt bilden hier das große Ganze. Natürlich nicht zu vernachlässigen ist ein erfahrener Engineer, der das Endergebnis mischt.

Warum ist mein Song auf Youtube, Spotify oder Itunes leiser als andere Songs?

Die Lautheit eines Songs auf den jeweiligen Plattformen hängt von verschiedenen Faktoren ab. Sättigung, Verteilung von Frequenzen, Balance Eurer Mischung, oder das Arrangement samt Instrumentierung spielen hierbei eine erhebliche Rolle. Wie wir ja schon weiter oben gelesen hatten, spielt natürlich die Dynamik über der gesamten Spieldauer Eures Titels eine maßgebliche Rolle zur Berechnung der durschnittlichen Lautheit (integrated loudness). Doch es gibt auch, gerade bei Youtube, noch den ein odere anderen Trick, den sich die Musikindustrie zu nutze macht um die durschnittliche Lautheit zu drücken und somit eine Pegelanhebung beim Upload zu erreichen.

Bei einem Master für einen Kunden kam dieser, nach fertigung der Streaming Version für Youtube, wieder auf uns zurück und schilderte uns sein Problem. Unserem Kunden war es wichtig, so laut zu klingen, dass sein Titel mit den Songs der großen Major Labals mithalten konnte. Nach der Analyse seines Songs und der Stücke von den großen Majorlabels, tendierte unser Gefühl immer wieder zur Energieverteilung, innerhalb der Mischung, des vom Kunden angelieferten Stückes. Doch genau konnten wir dies nicht beziffern, da wir uns bis dato zu wenig über die Berechnungsmethoden der einzelnen Portale, speziell auch YouTube, auseinandergesetzt hatten. Dies war auch unser Anliegen, mit dem wir uns an Andreas von Masterlab gewandt hatten um hier mittels einer dritten Meinung Fakten zu schaffen.

Welche Tricks das genau sind und was bei dem Gespräch heraus kam, erfahrt Ihr im folgenden aufgezeichneten Live Stream vom 05.11.2018 der Masterlab Academy. Andreas Balaskas (Masterlab Berlin) und Chris Jones von den Peak-Studios erzählen Euch im NightTalk was es mit der Lautheit von manchen Produktionen aufsich hat.

 

Verfasser: Musa Tuncer, Chris Jones (Peak-Studios)

In Zusammenarbeit mit Andreas Balaskas (Masterlab Berlin) und der Masterlab Academy


Streaming Mastering

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