Die größten Vinyl-Mastering Mythen

Das Vorgehen beim Produzieren und Mastern einer Schallplatte ist von vielen Mythen umwoben. Und wie das bei Mythen so ist, sind manche davon wahr und andere nicht. Welche Mythen du beim Vinyl-Mastering berücksichtigen und welche du meiden solltest, erfährst du in diesem Beitrag.

Vorteile Vinyl

Nachteile Vinyl

Werden Schallplatten überhaupt noch gehört?

41,3 Millionen – so viele EPs und LPs wurden insgesamt laut statista.de 2022 allein in den USA verkauft. Das zwischenzeitlich von einigen totgesagte Format erlebt seit etwa zehn Jahren ein Comeback. Laut dem Halbjahresbericht 2023 der Recording Industry Association of America (RIAA) hat Vinyl einen Anteil von 72 Prozent bei den physischen Formaten. Auch hierzulande ist dieser Trend zu beobachten: der Marktanteil der PVC-Platten ist auf 6 Prozent angewachsen, ein Plus von 6,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) im Halbjahresbericht 2023 schreibt.

Entsprechend dieses Trends werden Vinyl-Veröffentlichungen für Künstler/innen immer interessanter. Doch das Thema „Wie produziert man eine Platte?“ ist von vielen Mythen umwoben, die verwirren. Wir sind ihnen auf die Spur gegangen und entlarven sie in diesem Beitrag.

Dieser Beitrag basiert auf dem Podcast „Die größten Vinyl-Mastering Mythen“, den Mastering Engineer und Peak-Studios-Gründer Chris Jones mit Disc Mastering Engineer Helmut Erler und Fabien Schivre von Tokyo Dawn Labs geführt hat. 

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Chris Jones CEO von Peak-Studios

Chris Jones

C.E.O – Mixing- und Masteringengineer. Betreibt seit 2006 die Peak-Studios und ist der erste Online-Dienstleister in Sachen Audiodienstleistungen. Mehr zu Chris

Helmut Erler Disc Mastering Engnieer

Helmut Erler

Helmuts Arbeit als Disc Mastering Engineer (Cutter) und Toningenieur hat den bekannten Sound von international erfolgreichen Künstlern auf Vinyl gebracht und kalibriert Plattenschneidemaschinen. Mehr zu Helmut

Fabien Schivre Disc Mastering Engineer

Fabien Schivre

Fabien ist der “Head” hinter Tokyo Dawn Labs und programmiert seit vielen Jahren hochwertigste Audio Plugins wie den weltbekannten TDR Nova. Mehr zu Fabien

Die Geschichte der Schallplatte

Bevor wir uns den Mythen der Vinylproduktion annehmen, wollen wir kurz einen Blick auf die Geschichte der Schallplatte werfen:

Die Schallplatte wurde bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die Vinylplatte, wie wir sie heute kennen, gibt es seit 1930. Vor der Verwendung von Polyvinylchlorid (PVC) aka Vinyl kam vor allem Schellack zum Einsatz. Das wurde aber während des zweiten Weltkriegs zur Mangelware, weshalb Hersteller gezwungen waren, eine Alternative zu finden.

Die neue, robustere und günstiger herzustellende Platte verdrängte ihren Vorgänger bis 1960 aus Westeuropa und Nordamerika. Dabei dürfte sicherlich auch die Stereophonie beigetragen haben, die sich ab 1958 etablierte. Während die Beliebtheit der Scheibe bei den Konsumenten stieg, wurde weiter an dem Format gefeilt. Zwischen 1971 und 1978 wurden Quadrophonie-Platten hergestellt. Das Surround-Format war technisch Anspruchsvoll, denn eine Schallplatte kann nur zwei Kanäle enthalten. Entsprechend mussten die vier Kanäle auf zwei downgefolded und beim Konsumenten wiederhergestellt werden. Aufgrund verschiedener Abspielsysteme, die zueinander nicht kompatibel waren, konnte sich das quadrophonische Wiedergabeverfahren nicht durchsetzen.

Die goldene Zeit von Vinyl lag laut Statista zwischen 1970 und 1990. Ihr wurden durch die Einführung der CD und der Digitaltechnik ein Ende bereitet. Doch totgesagte leben bekanntlich länger und so verschafft sich die Schallplatte nach und nach wieder Platz im Markt und sorgt in den USA bereits für etwa dreiviertel des Umsatzes physischer Tonträger.

Begrifflichkeiten

In Bezug auf Vinylschallplatten gibt es einige Begrifflichkeiten, die du kennen solltest. Die wichtigsten sind in dem nachfolgenden Glossar aufgeführt:

 

  • RPM: Die Umdrehungen pro Minute (RPM = Revolutions per minute) bezeichnet die Abspielgeschwindigkeit einer Schallplatte.
  • LP: Die Langspielplatte hat einen Durchmesser von 30 cm (12“) und wird in der Regel mit 33,33 RPM abgespielt. Sie bietet den meisten Platz und wird daher für Alben verwendet.
  • Single: Die Single hat einen Durchmesser von 17,5 cm (7“) und wird mit 45 RPM abgespielt. Sie bietet Platz für jeweils einen Song pro Seite.
  • Maxi-Single: Die Maxi-Single unterscheidet sich von der LP hauptsächlich durch die schnellere Abspielgeschwindigkeit von 45 RPM. Das resultiert in einem lauteren, brillanterem Klang bei geringerer Spielzeit.
  • Vinylschnitt: Beim Vinylschnitt wird ein angeliefertes Master gemäß der Vinylspezifikationen aufbereitet.
  • Lackschnitt-Verfahren: Das Klangmaterial wird zuerst auf eine Lackfolie übertragen, die anschließend versilbert wird. Darauf folgen galvanische Bäder für die Herstellung des Metallmasters für die Pressung.
  • DMM-Verfahren: Beim Direct Metal Mastering (DMM) wird das Klangmaterial direkt auf eine mit Kupfer beschichtete Edelstahlplatte übertragen, die als Master-Lacquer dient.
  • Master-Lacquer: Fertiges Master, das zum Erstellen eines Stempels verwendet wird.
  • Presswerk: Vinylplatten werden in einem Werk für die Vervielfältigung gepresst.
  • Tonabnehmer: Jeder Plattenspieler hat einen Tonabnehmer. Dessen Qualität ist maßgeblich für Wiedergabequalität beim Konsumenten verantwortlich.

Mythos 1: Vinyl ist nur ein weiterer Tonträger

Vinyl ist einer von vielen Tonträgern, das stimmt. Es ist allerdings noch mehr, nämlich ein physikalisches Produkt. Es muss materiell hergestellt werden und hat materialbedingt gewisse Grenzen. Sprich: es ist kompromissbehaftet. Inwiefern, erfährst du noch im weiteren Verlaufe dieses Beitrags.

Als physikalisches Produkt gesehen ist die Schallplatte beeindruckend. Was genau ist damit gemeint? Nun ja, zuerst einmal, dass man es schlichtweg anfassen kann. Du kannst deine fertige Scheibe in Händen halten und sogar die visuelle Darstellung des Klangs in Form der Rillen sehen.

Bis zu diesem Moment ist es allerdings ein langer Weg: Die Mutter und die Söhne müssen galvanisch hergestellt werden. Werke müssen entsprechend den Spezifikationen gemastert und geschnitten werden. Die Pressungen wiederum müssen letztendlich an Verkaufsstellen geliefert werden. All diese Arbeitsschritte inklusive Logistik benötigen selbstverständlich eine gewisse Zeit. Davon abgesehen können auch äußere Umstände, zum Beispiel die Temperatur im Lager, das Material und somit auch den Klang beeinflussen.

Und genau aus diesen Gründen ist es wichtig, Vinyl auch als physikalisches Produkt und nicht nur als reinen Tonträger zu betrachten!

Mythos 2: Das DMM-Verfahren ist besser als Lackschnitt

Das Direct Metal Mastering (DMM) ist der Nachfolger des Lackschnitt-Verfahrens. Beim DMM wird das Klangmaterial direkt in eine Metallplatte geschnitten, was im Vergleich zum Lackschnitt einige Arbeitsschritte erspart. Allerdings reißt der Span bei großen Auslenkungen, also vielen tieffrequenten oder lauten Signalanteilen, schneller.

Beim Lackschnitt hat man diese Probleme nicht.

Direct Metal Mastering (DMM)

1981 hat die Firma Teldec (Telefunken-Decca) in Zusammenarbeit mit Georg Neumann das DMM-Verfahren entwickelt. Während beim Lackschnitt-Verfahren nach der Tonübertragung auf eine Lackfolie zwei galvanische Bäder zur Erstellung eines Vaters (negatives Abbild) und einer Mutter (positives Abbild) gemacht werden müssen, wird beim DMM direkt die Mutter erstellt.

„Die Mutter“ beschreibt eine Edelstahlplatte, die in einem galvanischen Bad beschichtet wird. Mit einem Schneidestichel wird das Klangmaterial auf sie übertragen. Aus ihr werden wiederum die Söhne hergestellt, die dann als tatsächliche Pressvorlage beziehungsweise Stempel dienen.

Das DMM-Verfahren hat gegenüber dem Lackschnitt einige Vorteile: Zum einen werden durch das Ausbleiben gewisser Arbeitsschritte Zeit gespart und Fehlerquellen minimiert. Zum anderen gibt es weniger Verzerrungen. Der Nachteil ist die kürzere Lebensdauer der Platten, da die Rillen weniger tief sind.

Mythos 3: Höhen verzerren schnell und müssen beschnitten werden

Die Nadel eines Plattenspielers kann hohe Frequenzen nicht gut abtasten. Bei zu viel Höhenanteil kann es zu Verzerrungen kommen. Oft hört man, dass ein High-Cut-Filter bei zirka 17 kHz gesetzt werden muss. Das stimmt so nicht, denn es hängt schlichtweg vom Klangmaterial ab. Außerdem können die Verzerrungen auch bewusst als kreatives Mittel eingesetzt werden.

Myhtos 4: Alles unter 300 Hz muss mono sein

Die Kontrolle des Tiefenbereichs hat in erster Line mit der Kontrolle der Auslenkungen des Spans zu tun. Bei zu vielen Bässen beziehungsweise Bassanteilen kann dieser reißen. Es wird zwar empfohlen, Frequenzen unter 300 Hz zu monofizieren, aber dies ist nicht als Allheilmittel zu verstehen. Wirklich Klarheit kann nur eine Simulation oder ein Testschnitt verschaffen, denn genau wie bei den hohen Frequenzen, verhält es sich von Klangmaterial zu Klangmaterial unterschiedlich und ist immer abhängig von von der Dynamik des Materials, Stereobreite, den benötigten Platz auf der Platte und wie stark die Auslenkung der Phase im Bassbereich ist. Ein Stereo-Bassbereich ist also möglich, jedoch sollte er genauestens kontrolliert werden.

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Mythos 5: Transienten werden auf Vinyl schlechter abgebildet

Transienten werden auf einer Schallplatte nicht so scharf und präzise abgebildet wie bei digitalen Formaten – nicht schlechter, sondern einfach anders. Daher kommt mitunter der beliebte warme Klang der Schallplatte. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie gänzlich verloren gehen oder zum Beispiel Drums keinen Punch mehr haben. Erfahrene können bereits beim Mixing gezielt Einfluss auf das Transient Shaping nehmen. Daher ist dies nicht unbedingt als negative Einschränkung des Formats zu betrachten.

RIAA Equalisation

Die Auslenkung des Schneidestichels hat große Auswirkung auf die Lautstärke und den verfügbaren Platz einer Schallplatte. Je größer die Auslenkung, desto lauter und/oder tieffrequenter das Signal. Aber auch desto größer der Platzverbrauch. Bei hohen Pegeln kann es zudem zum sogenannten „self erase“ kommen. Dabei löscht der hintere Teil des Schneidestichels den vom vorderen geschnittenen Teil direkt aus, was zu Verzerrungen führt.

Um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen und den originalen Frequenzgang eines Titels zu erhalten, wurde Mitte der 1950er Jahre die RIAA Equalisation entwickelt. Sie beschreibt eine Schneidekennlinie, die das Frequenspektrum anhand der drei Übergangsfrequenzen bei 50,05 Hz, 500,5 Hz und 2122 Hz in vier Abschnitte teilt. Vereinfacht gesagt werden dann durch Filter Absenkungen in den Tiefen und Tiefmitten und Anhebungen in den Mitten und Höhen vorgenommen, die für eine gleichmäßige Auslenkung sorgen. Diesen Prozess nennt man Encoding.

Jeder Plattenspieler ist mit einem Decoder im Preamp ausgestattet, der die RIAA Equalisation ausgleicht und somit das originale Klangspektrum wiederherstellt.

Mythos 6: Der warme Klang einer Schallplatte kommt von limitierten Höhen

Ja zum Teil beruht diese Klangeigeschaft der Vinyl durch die limitierte Darstellungsmöglichkeit auf Vinyl. Höhen bzw. hohe Frequenzen werden gerne als „scharf“ oder „zischend“ beschrieben.

Da Vinyl im Vergleich zu anderen Formaten starke Höhenanteile nicht so gut wiedergeben kann (gewollten Verzerrungen ausgeschlossen), ist dieser Frequenzbereich nicht so spitz definiert und die Platte klingt daher wärmer.

Mythos 7: Eine schwarze Platte klingt besser als eine farbige

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Künstler/innen Schallplatten in Farbe, zum Beispiel rot oder gelb, veröffentlichen (sogar zwei- oder dreifarbige Platten können hergestellt werden!). Insbesondere für Deluxe-Versionen oder ähnliches ist das ein tolles Feature für Konsumenten.

Allerdings hört man immer wieder, dass die Klangqualität von farbigen Platten gegenüber der traditionellen schwarzen schlechter sei. Das stimmt so nicht!

Der Grund für die schwarze Farbe war Graphit, das früher als Schmiermittel für die Abtastnadel diente. Heutzutage ist das nicht mehr zwingend notwendig beziehungsweise andere Schmiermittel können verwendet werden. Entsprechend hängt der Klang nicht von der Farbe, sondern vom Herstellungsprozess der Platten ab.

Neve Summierer

Mythos 8: Vinyl klingt auf allen Plattenspielern gleich

Definitiv nicht. Generell geht es bei der Audioproduktion darum, ein Werk zu schaffen, das auf möglichst allen Abspielsystemen gut klingt. Selbsterklärend ist, dass bei der Masse an Endnutzergeräten die Qualität der Wiedergabe sehr weit auseinander geht und ein Kompromiss gefunden werden muss.

Der Vinyl-Bereich bildet keine Ausnahme. Der Klang hängt maßgeblich von den Komponenten des Abspielsystems ab: Vom Tonabnehmer über den Vorverstärker bis hin zu den Lautsprechern kann jeder „Baustein“ den Klang verändern/färben. Mal davon abgesehen spielt die Akustik beziehungsweise der Raum, in dem gehört wird, eine große Rolle.

Eine Testpressung, die auf möglichst vielen verschiedenen Systemen mit verschiedenen Tonabnehmern abgehört wird, kann einen guten Klangeindruck verschaffen. Außerdem gibt es Programme wie Simulathe von Tokyo Dawn Labs, die verschiedene Tonabnehmer emulieren.

Was ist WOW?

WOW und Flutter beschreiben beide Tonhöhenschwankungen, die beim Abspielen einer Schallplatte hörbar werden. Jedoch äußern sie sich unterschiedlich und entstehen durch verschiedene Ursachen:

WOW ist eine langsame Variation, die auf die Schallplatte zurückzuführen ist. Gründe dafür sind unter anderem ein nicht passgenaues Mittelloch, ein zu geringes Gewicht einer Platte oder eine verzogene Platte. Im Presswerk wird WOW in der Regel als Teil der Qualitätskontrolle gemessen, sodass eine minimale Abweichung von etwa 0,2 Prozent nicht überschritten wird.

Flutter hingegen ist eine schnelle Variation, die auf das Abspielgerät zurückzuführen ist. Ein verbogener Plattenteller oder ein nicht mehr ganz rund laufender Motor eines Plattenspielers können Gründe hierfür sein.

Mythos 9: Meine Song ist auf Vinyl genauso laut wie mein digitales Master

Die Lautheit deines digitalen Masters hat keinen direkten Zusammenhang mit der Lautheit der späteren Schallplatte. Peaks von -1 dBFS und LUFS-Werte von etwa -16 sind für den Vinylschnitt kein Problem. Höhere LUFS-Werte, ab etwa -12, schränken allerdings den möglichen Schnittpegel (bevor es zu Verzerrungen kommt) ein. Folglich kann die Platte nicht mehr zu laut geschnitten werden. Das wiederum verringert den Signal-Rausch-Abstand, was zu hörbarem Rauschen führen kann. Es ist dementsprechend eher die Kompression, also die Dynamic Range, die ausschlaggebend ist.

Mythos 10: Die Lautheit des Masters wirkt sich nicht auf den Platzverbrauch aus

Der Platzverbrauch auf einer Platte hängt hauptsächlich von der Wellenform des Signals ab. Besonders problematisch sind geclippte Signale, egal ob durch Übersteuerung oder ein Plug-in. Die Wellenform eines solchen Signals ähnelt einem Rechteck. Es zerrt schnell, ist schwierig zu schneiden und benötigt aufgrund der Form mehr Platz. Signale ohne Clipping lassen sich daher oft lauter bei vergleichsweise weniger Platzverbrauch schneiden.

Mythos 11: Für ein gutes Vinyl-Mastering braucht es keinen Mastering-Engineer?

Um deine Musik optimal auf Vinyl zu übertragen, bedarf es eines professionellen Masters. Wie du sicherlich im Verlaufe dieses Beitrags bereits festgestellt hast, gibt es sowohl musikalische als auch physikalische Aspekte, die betrachtet werden müssen.

Wenn du wenig oder keine Erfahrung und/oder nicht die räumlichen Möglichkeiten hast deinen Song objektiv in allen Frequenzbereichen zu berurteilen, in diesem Bereich hast (passende Raumakustik), empfiehlt es sich, die Expertise eines Mastering Engineers in Anspruch zu nehmen. Dieser sorgt für ein bestmögliches klangliches Resultat unter Berücksichtigung besagter Aspekte. Gemastert wird in einem akustisch optimierten Studioraum, sodass eine neutrale Klangbeurteilung möglich ist. Bevor das Master ans Presswerk geliefert wird, kannst du es anhören (digital, nicht als Testpressung!) und gegebenenfalls noch Korrekturen vornehmen lassen.

Wenn du erfahren bist und eine gute Abhörmöglichkeit hast, kannst du deine Tracks durchaus selbst mastern. Es gibt Software, mit der du deine Platte virtuell vorbereiten kannst. Eines dieser Programme ist Simulathe von Tokyo Dawn Labs. Damit lassen sich nicht nur die erwähnten Frequenzbereiche bearbeiten, sondern auch wichtige Werte anzeigen. Zu diesen gehören unter anderem Excursion (Auslenkung links/rechts), Width (Stereobreite), Velocity (Geschwindigkeit), Temperatur (des Schneidestichels) und Platzverbrauch. Darüber hinaus kannst du deine Platte virtuell „abfahren“, um problematische Stellen ausfindig zu machen sowie deine Songs über drei simulierte Pickup-Systeme abhören.

Wir können an dieser Stelle nicht annähernd den gesamten Funktionsumfang von Simulathe aufführen – das würde den Rahmen sprengen. Neugierigen sei aber die kostenlose, zeitlich unbegrenzte Demo-Version empfohlen. Die einzige Einschränkung dieser ist, dass nicht gespeichert werden kann. Hierduch hast du die Möglichkeit deine Songs zu hören, wie sie zu ca. 85% später auf Vinyl klingt (der Rest ist abhängig von Endgerät und Produktion).

SimuLathe

Vinyl Mastering Service für Lackschnitt und DMM

Mythos 12: Der Disc Mastering Engineer mastert deine Platte und sorgt für den idealen Sound

Berechtigterweise stellt sich der/die ein oder andere die Frage, warum ein Disc Mastering Engineer beim Vorbereiten des Materials für den Schnitt kein Mastering machen kann – schließlich deutet der Titel darauf hin. Ein Disc Mastering Engineer ist hauptsächlich für das fachgerechte Schneiden eines Pressmasters zuständig. Angeliefertes Material sollte also quasi veröffentlichungsreif sein. Auch wenn das Material gesichtet wird, ist eine eventuell nötige Bearbeitung oft gröber/pauschaler im Vergleich zu der eines „normalen“ Mastering Engineers. Davon abgesehen wird nicht unbedingt in einem akustisch optimierten Raum geschnitten.

Das Mastering ist ein eigenständiger Arbeitsschritt, der entsprechend Zeit in Anspruch nimmt, Expertise voraussetzt und entlohnt werden will. Auch wenn ein Presswerk Mastering Engineers beschäftigt, wird deren Arbeit trotzdem als separate Dienstleistung unabhängig vom Vinylschnitt berechnet.

Mythos 13: Eine Testpressung klingt genauso wie die vervielfältigten Platten

Wie eingangs erwähnt, ist Vinyl ein physikalisches Produkt. Daher klingt keine Schallplatte exakt gleich, weder die Testpressung wie die finalen Platten, noch diese unter sich. Sie werden beispielsweise von Temperatur, Druck der Presse und Lagerzeit beeinflusst. Auch wenn die Unterschiede marginal sein mögen, ist jede Platte eigentlich ein Unikat.

Mythos 14: Die Reihenfolge der Songs hat keine Auswirkungen

Die Verteilung der Songs beeinflusst maßgeblich deren Qualität: Aufgrund des sich über die Abspielzeit ändernden Frequenzgangs einer Platte (insbesondere in den Höhen), bedingt durch den Durchmesser, ist die Qualität am Anfang besser. Mit abnehmendem Durchmesser treten unter anderem Verzerrungen auf, die aber wie erwähnt auch bewusst eingesetzt werden können. Beim Inside-Out-Cut, also wenn die Nadel von innen nach außen läuft, ist natürlich das Gegenteil der Fall.

Von den qualitativen Einschränkungen abgesehen muss außerdem entschieden werden, welche Songs auf welche Seite gepresst werden und ob Pausen dazwischen liegen sollen.

Diameter-Loss

Je weiter sich die Nadel dem Ende, also dem Inneren, einer Platte nähert, desto geringer die Klangqualität. Verantwortlich dafür ist der einhergehende Querschnittsverlust (Diameter-Loss). Du kannst dir das so vorstellen, dass die Nadel ein Auto ist, das seine Runden auf der Platte fährt. Je weiter es sich dem Ziel, dem inneren der Platte, nähert, desto kürzer und schmäler werden die Strecken. Das Auto bleibt aber gleich groß: Es wird zunehmend schwieriger, es sicher zu manövrieren, also muss langsamer gefahren werden.

Und genauso verhält es sich mit der Nadel und der abzutastenden Rille. Die Nadel bleibt gleich groß, die Rillen werden aber enger/gequetschter. Bei einer 12-Zoll-LP ist die Geschwindigkeit außen etwa dreimal schneller als innen. Bei einer 7-Zoll-Single ist das Verhältnis der Geschwindigkeit von außen zu innen etwa 2:1.

Entsprechend sollten wichtige Songs beziehungsweise Hits besser am Anfang, also außen, platziert werden. Jedoch kann die langsamere Abtastgeschwindigkeit, mit der ein Verlust der Höhen sowie Verzerrungen einhergehen, für kreative Zwecke genutzt werden.

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Check-Liste für die Produktion einer Schallplatte

Fassen wir kurz zusammen, was du für die Produktion deiner Platte beachten musst:

Was kostet das Pressen einer Schallplatte?

Die Kosten einer Vinyl-Pressung hängen von einigen Faktoren ab, zum Beispiel dem Format (Single, LP, etc.), der Auflage und dem Transport. Im Podcast wird eine Beispielrechnung anhand der folgenden Vorgaben genannt:

Natürlich sind die Kosten immer abhängig von den Wünschen des Kunden. Grob lässt sich aber sagen, dass anhand der genannten Vorgaben eine Schallplatte 4 bis 4,50 Euro kostet. Die Auflage von 400 Stück kostet insgesamt also rund 1600 Euro. Hinzu kommen bei Bedarf Testpressungen (25 Euro/Stück), die Produktion von Covern, Papierinnenhüllen und Vinyletiketten sowie Transportkosten.

Wie lange dauert das Pressen einer Platte?

Von der Anlieferung aller notwendigen Dateien an das Presswerk bis zum Erhalt der fertigen Schallplatte vergehen ungefähr zwei Monate: Drei Wochen werden für Testpressungen veranschlagt und fünf Wochen für die Hauptproduktion.

Wenn du statt einer digitalen Datei ein fertiges Lack- oder DMM-Master an das Presswerk lieferst, kommt diese Produktionszeit hinzu. Das kannst du bei einem darauf spezialisierten Schneidestudio machen lassen, das zudem mehr Einfluss auf den Schnitt erlaubt als ein Presswerk.

Unser Fazit zu den Mythen über das Produzieren für Vinyl

Viele Mythen ranken sich um die Produktion für Vinyl – und die meisten sind mit Vorsicht zu genießen. Wie so oft gibt es auch hier keine pauschale Antwort, denn die Musik, die auf die Schallplatte kommt, ist so individuell und vielseitig wie der einhergehende Prozess.

Nichtsdestotrotz hoffen wir, dir mit diesem Beitrag einen Leitfaden geben zu können, worauf es beim Produzieren einer Schallplatte ankommt. Und damit du weißt, dass es uns ernst ist, bieten wir dir eine Mixanalyse für Vinyl für einen deiner Songs an!

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Christoph Strauß

Christoph Strauß

Christoph ist Mischtonassistent und Aufnahmetonmeister für Synchron und schreibt als freier Redakteur für Magazine und Blogs im Pro-Audio-Bereich. Seine Neugier und Experimentierfreunde brachten ihn 2022 dazu, mit SoundChills einen eigenen Blog zu betreiben. Dort schreibt er über verschiedene Audiothemen und fokussiert sich hauptsächlich auf Produkte kleinerer beziehungsweise unbekannter Unternehmen. Wenn Christoph mal nicht auf der Tastatur tippt, spielt er auf seinem MIDI-Controller und komponiert Beats. Mehr zu Christoph

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