Preisentwicklungen für Musikequipment in der Studiobranche

Die gesamte Studiobranche hat innerhalb der letzten zwei Jahre unter anderem pandemiebedingt einiges durchmachen müssen und das unabhängig davon, ob es sich um ein Recordingstudio oder ein Masteringstudio handelt. Handelsstreitigkeiten zwischen China und den USA, Lieferschwierigkeiten und nicht zu vergessen die aktuelle Energiekrise verantworten sicherlich unter anderem einen Anstieg der Preise für Mischpulte seit 2020 um 63%! Im weiteren Verlauf des Beitrags beschäftigen wir uns nun mit der Nachfrage und der Preisentwicklung in diesem Segment und beleuchten die Hintergründe für die Veränderungen.

 

Preisentwicklung für Musikequipment – Der aktuelle Stand

Eine Untersuchung von idealo.de auf deren Plattform in Bezug auf die Nachfrage und Preisentwicklung von Synthesizern, Mischpulten und (speziellem) DJ-Equipment (wie Audiosoftware, DJ-Mixer, und -Media-Player) gibt hier aufschlussreiche Einblicke.

  • Corona scheint mehr Menschen zur Musik zu bringen: Im ersten Coronajahr stieg die Nachfrage nach Mischpulten und Synthesizern um bis zu 55 Prozent, bei den klassischen Instrumenten um bis zu 50 Prozent.
  • Die durchschnittlichen Preise für Mischpulte sind seit 2020 um 63 Prozent gestiegen.
  • Das Ui24R von Soundcraft ist das beliebteste Mischpult bei idealo, unter den Audio Softwares ist FL Studio 20 Producer von Image Line klarer Favorit

 

Man konnte herausfinden, dass vor allem Mischpulte seit Januar 2000 einen gehörigen Preiszuwachs hatten. Der größte Sprung ist dabei zwischen Juli 2021 und April 2022 zu sehen – in dieser Zeitspanne verdoppelte sich der Preis.

 

Nachfrageanstieg im Segment Gitarre

Laut Branchenverband Somm (Society Of Music Merchants) mit Sitz in Berlin stieg die Nachfrage nach elektrischen Gitarren von Januar bis November 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knapp 30 Prozent, bei den akustischen Gitarren um 20 Prozent. Für die Lieferanten war der Nachfrageanstieg natürlich eine große Herausforderung.

Nachfrage im Pro-Audio Sektor

Im professionellen Bereich der Tontechnik rund um Tonstudios scheint die Nachfrage ähnlich wie vor der Pandemie zu sein bzw. sogar zurück zu gehen. Egal ob es sich hierbei um aktive Studiomonitore, analoge Equalizer oder Audio-Kompressoren handelt, wenn man sich mit den Kollegen der Branche austauscht scheint es so, als würde das Kaufverhalten der Studiobetreiber zumindest nicht exorbitant ansteigen. Durch die steigenden Preise für beispielsweise ein Universal Audio Interface oder eine Flock audio patch xt bleiben teilweise Investitionen aus. Exakte Auswertungen und Statistiken sind in diesem Segment leider kaum zu finden.

Natürlich bleibt die Frage offen, ob die Preisentwicklung vielleicht doch mit einer steigenden Nachfrage zusammenhängt oder nicht auch (vergangene) Lieferengpässe, die zunehmende Inflation oder schlichtweg bessere Technik Einfluss darauf hatten. Wir können an dieser Stelle lediglich spekulieren.

Welche Problematiken uns bekannt sind und welchen Einfluss sie haben können

Die weltweite Halbleiterkrise

Schon zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 wurde befürchtet, dass der Halbleitermarkt einbrechen würde. Ohnehin war die Nachfrage aufgrund der rasant beschleunigenden Digitalisierung in unterschiedlichsten Segmenten deutlich höher als die Produktionskapazitäten. Auch aufgrund der zunehmenden Beschäftigung im Homeoffice und Online-Konferenzen wurde die Kapazitätslücke immer größer.

 

Extreme Auswirkungen hat der Halbleitermangel auf die Autoindustrie. Während der Lockdown- und Kurzarbeiterzeit verzeichneten die Automobilhersteller Produktionsausfälle und sinkende Absatzzahlen. In der Folge wurden die Bestellungen von Halbleitern reduziert, in zahlreichen Fällen sogar storniert.

 

Nicht zu vernachlässigen sei hier das Feuer am 20. Oktober 2020 beim Chip-Hersteller Asahi Kasei Microdevices, vielen Technik-Begeisterten und Audiophilen besser bekannt als AKM. Zahlreiche Hersteller hochwertiger Stereo- und Mehrkanal-Komponenten setzen auf die exklusiven D/A-Wandler und Bluetooth-Chipsets des japanischen Unternehmens. Die leistungsstarken Prozessoren werden in einer eigenen Fabrik in Nobeoka City, Japan hergestellt.

 

Die Bedeutung der Firma im Pro-Audio-Markt ist immens: So finden sich die besonders hochwertigen Digital/Analog- Analog/Digital-Wandler des Unternehmens in etlichen Geräten – darunter Solid State Logic (SSL), Universal Audio, TASCAM, miniDSP, Merging Technologies, SPL Deutschland und RME.

Auswirkungen durch den Krieg in der Ukraine

Auch der Krieg in der Ukraine zieht nicht einfach so an den Pro-Audioherstellern vorbei. Laut Behringer hat sich die Situation auf dem Markt für Chips nochmals verschärft: Wegen des Kriegs in der Ukraine mussten die dortigen Produktionsanlagen für das Edelgas Neon schließen, das für die Chipherstellung gebraucht wird. Es droht ein weltweiter Engpass. Die Ukraine liefert rund die Hälfte der weltweit hergestellten Menge Neon. Das bedeutet natürlich, das die Herstellung von Audiointerfaces oder auch für Analoges Equipment mit digitaler Oberfläche wie beispielsweise Geräte von Bettermaker Audio gefährdet ist.

Die aktuelle Energiekrise und Logistikprobleme

Preisschock: Im Jahresvergleich zu 2021 stieg der Gaspreis im Durchschnitt um 184 Prozent, was nahezu einer Verdreifachung für private Kunden bedeutet. Hinzu kommen die Entwicklungen im Bereich der Treibstoffe. Die Situation lässt sich natürlich auch auf die Hersteller adaptieren. Für diese wird es nicht gerade einfacher tolle Equalizer und Kompressor zum Mischen und Mastern herzustellen. Auch für die Montage der Bauteile wird Strom benötigt und die Lieferketten und Transportkosten werden ebenfalls deutlich teurer. Die gestiegenen Energiepreise werden auf die Produkte umgewälzt, und führen zu einem Preisanstieg der Ware.

 

Man bedenke zudem, dass sich die Logistikkosten in manchen Bereichen verzehnfacht haben. An den Häfen stehen die Container herum und Schiffe oder auch Frachtzüge werden teils mit extremen Verzögerungen entladen.

 

Erhöhte Kosten für Verpackungsmaterial?

Richtig! Der Altpapiermangel, welcher darauf zurückzuführen ist, dass während des Lockdowns weniger gedruckt wurde und nun weniger Altpapier vorhanden ist führt zu erhöhten Kosten bzw. einem Mangel an Verpackungsmaterial. Üblich ist der Versand in Kartons vom Hersteller wie z.B. RME oder auch Universal Audio zum Groß- oder Einzelhändler, hier zu nennen unter anderem Thomann und anschließend der Versand zum Endkunden. Die Ware ohne eine Umverpackung aus Pappe/Papier zu versenden ist kaum möglich. Eine alternative wäre hier Plastik aber im Sinne der Umwelt wäre das wohl eher nicht. Das Verpackungsmaterial ist ein Faktor in der Warenkalkulation und schnellt so natürlich ebenfalls in die Höhe.

 

Magnesiumproduktion gedrosselt

Die chinesische Zentralverwaltung hatte beschlossen, ihre CO2-Ziele einzuhalten und als lediglich eine Stellschraube dafür die Produktion von Magnesium beinahe zu halbieren. China ist mit einem Anteil von 80 bis 85 Prozent Marktführer der weltweiten Magnesiumproduktion.

Tatsächlich ist das Erdkalimetall Magnesium auch in der Instrumentenbranche wichtig. So ist dieser Rohstoff beispielsweise Bestandteil von Geigen-, Cello- oder Kontrabassseiten, auch Gitarrenseiten oder Bottlenecks und weiteren metallischen Kleinteilen für Studioequipment wie im Mikrofonbau oder unseren analogen Helfern im Tonstudio.

 

Fazit

Auch wenn die Lage sich aufgrund des Krieges in der Ukraine und der steigenden Kosten in den einzelnen Prozessschritten nicht wirklich entspannt bleibt zu hoffen, dass die Hersteller dies als Chance sehen und ein Umdenken stattfindet.

 

Ein erster Lichtblick ist beispielsweise, dass unter anderem Intel und Samsung in neue Chip-Fabriken investieren. Im Bundesstaat Ohio ist beispielsweise schon ein Bau geplant. Der Produktionsbeginn soll dann voraussichtlich 2025 starten. Dies könnte zu einer Entspannung in diesem Segment führen und Lieferengpässe bewältigen.