Kabelklang messbar? USB-Kabel für 2.800 Euro im Studiotest

Gibt es Kabelklang, oder ist er eine Erzählung? Wir haben zwei USB-Kabel zu je 2.800 Euro in unsere Studiokette gehängt, die komplette Übertragung vermessen und anschließend 20 Runden verblindet gehört. Hier stehen alle Zahlen, alle Grenzen – und das, was sich daraus eben nicht ableiten lässt.

Transparenzhinweis (Werbung): VBS Audio hat uns zwei Kabel des Modells „Eigen“ kostenlos als Produktmuster zur Verfügung gestellt. Es floss kein Geld, es gab keine Gegenleistung und keine Absprache über das Ergebnis. Der Hersteller hat Fotos, Firmenname und Website zur Veröffentlichung freigegeben und dem Verfahren vorab zugestimmt. Herstellerangaben, eigene Messwerte und subjektive Höreindrücke halten wir im Text konsequent auseinander.

Kabelklang ist seit Jahrzehnten das Streitthema im HiFi- und Studiobereich – und zwar eines, das fast immer ohne Zahlen geführt wird. Bei digitalen Audiokabeln, also USB, Koax, Toslink oder AES, wird besonders hitzig diskutiert. Ein Manufakturhersteller schrieb uns an: Seine Kabel machten einen hörbaren Unterschied, gerade auf der digitalen Ebene. Wir haben zugesagt – unter einer Bedingung: Wir messen die komplette Kette, hören verblindet und veröffentlichen alles, egal wie es ausgeht. Dieser Bericht ist das Ergebnis, mit allen Zahlen, allen Grenzen und allem, was wir nicht sagen können.

Inhalt dieses Kabelklang-Tests

Gibt es Kabelklang? Wir haben es im Studio nachgemessen

Kabelklang bezeichnet die Annahme, dass unterschiedliche Kabel denselben Signalweg hörbar verändern. In dieser Messreihe war davon nichts nachweisbar. Denn unter den dokumentierten Bedingungen ergab sich weder eine konsistente subjektive Präferenz noch eine einheitlich bessere Originaltreue für eine der beiden Kabelbedingungen. Kleine numerische Abweichungen waren messbar; sie lassen sich in diesem Aufbau nicht eindeutig den USB-Kabeln zuschreiben. Somit ist das ein Befund für zwei konkrete Kabel in einer konkreten Kette, aber kein allgemeines Urteil.

Kabelklang in fünf Punkten: das Ergebnis

  • Digitale Übertragung: Zunächst kamen in den geprüften Ausschnitten kamen die Daten auf 24-Bit-Ebene fehlerfrei an – mit dem Testkabel genauso wie mit dem Originalkabel. Die USB-Fehlerzähler der RME-Interfaces standen in den dokumentierten Dauerläufen auf null.
  • Frequenzgang: Außerdem decken sich beide Zustände über den gesamten Hörbereich bis auf weniger als 0,0002 dB.
  • Musiksignal: Zudem liegt die Wellenform-Restdifferenz zwischen den Bedingungen liegt bei etwa −109,9 bis −109,4 dBFS – praktisch in derselben Größenordnung wie die Streuung zwischen zwei Aufnahmen desselben Zustands.
  • Einzige auffällige Abweichung: Lediglich im Rauschband bei Stille lag die Referenzbedingung um +0,104 dB (links) / +0,116 dB (rechts) höher. Es gibt nur je eine Stilleaufnahme pro Zustand – das trägt keine Ursachenzuordnung.
  • Blinder Präferenzdurchgang: Schließlich 20 Runden, ein Hörer, 11 Siegerwahlen für das VBS-Kabel, 9 für das RME-Kabel. Der zweiseitige exakte Binomialtest gegen 50:50 ergibt p = 0,824.

Warum wir uns diesen Aufwand machen: Wir arbeiten im Mastering täglich mit Unterschieden, die am Rand der Wahrnehmung liegen. Wer da Behauptungen von Befunden trennen will, muss messen und verblindet hören – sonst entscheidet das Preisschild mit. Und das Wichtigste vorweg, weil es fast immer falsch zitiert wird: Ein nicht signifikantes Ergebnis ist kein Beweis für Klanggleichheit. Geprüft wurde eine Vorliebe – nicht die Frage, ob jemand die beiden Zustände zuverlässig auseinanderhalten kann. Das sind zwei verschiedene Fragen, und wir haben nur eine davon beantwortet.

Wie es dazu kam: ein Angebot zum Kabelklang-Test

Zunächst zur Vorgeschichte: Der Hersteller hat mich angeschrieben – ein Manufakturbetrieb, kein Massenprodukt. Wir haben telefoniert, er hat viel über seine Kabel und seinen Werdegang erzählt und, wie ich es unmittelbar nach dem Testtag auf Band festgehalten habe, „auch immer groß angepriesen, dass das wirklich einen totalen Unterschied macht, gerade in der digitalen Ebene solche Kabel auch eben einzusetzen“.

Warum wir audiophile USB-Kabel überhaupt testen

Meine Antwort war daher: gerne, aber richtig. Ich habe ein ausführliches Testszenario angeboten, inklusive Blogbeitrag und komplettem Ergebnis, inklusive technischer Messungen und verblindeter Hördurchgänge. Ergebnisoffen.

Warum ich überhaupt mitgemacht habe, obwohl ich bei solchen Aussagen skeptisch bin, steht ebenfalls in meiner Sprachnotiz:

„Da ich selber ja noch sehr skeptisch bin bei solchen Aussagen, weil viel wird da halt immer erzählt, irgendwie diese typischen Audiomythen. Und ja, jetzt haben wir mal wirklich einen Manufaktur[-Hersteller], der wirklich auch Ahnung hat von dem, was er sagt, und wo wir das einfach mal überprüfen wollen und schauen wollen: was kommt da wirklich dabei raus.“

Warum wir zum Kabelklang-Test zugesagt haben

Genau das ist der Punkt. Denn über Kabelklang wird seit zwanzig Jahren gestritten, und zwar fast immer ohne Zahlen. Wir haben allerdings ein Studio, Messtechnik und die Möglichkeit, einen verblindeten Durchgang sauber aufzusetzen. Also machen wir es – so, wie wir auch sonst versuchen, gängige Annahmen über Studioarbeit an der Praxis zu überprüfen.

Kabelklang im Test: zwei USB-Kabel VBS Audio Eigen mit Gewebemantel auf einem Parkettboden
Die beiden Testmuster: VBS Audio Eigen, je 1,5 m, USB-A auf USB-B. Gewebemantel, verschraubte Metallgehäuse, vergoldete Kontakte. Foto: Peak-Studios.

Das Produkt: ein audiophiles USB-Kabel aus der Manufaktur

Zunächst die Fakten zum Testobjekt. Alles in diesem Abschnitt sind Herstellerangaben. Sie sind nicht das Ergebnis unserer Messungen, und wir haben sie auch nicht überprüft – das geht mit den hier eingesetzten Verfahren nicht.

ModellVBS Audio Eigen
Länge1,5 m
SpezifikationUSB 2.0 High-Speed (480 Mbit/s)
Listenpreis2.000 € Basis für den ersten Meter; 2.800 € für 1,5 m
Preislogiknicht linear – jede weitere Stufe von 0,5 m schlägt mit +40 % auf die Vorlänge zu Buche (2 m entsprächen demnach 3.920 €)
Vertriebausschließlich direkt, limitierte Stückzahl, kein Vertrieb in Deutschland

Preisstand August 2026, schriftliche Herstellerauskunft. Wer kauft, sollte den aktuellen Preis direkt beim Hersteller erfragen: vbsaudio.com.

Was der Hersteller über den Aufbau sagt

Leitermaterial, Mikrostruktur, Geometrie, Schirmung und Steckerterminierung seien als ein integriertes System entwickelt. Details zu Schirmung, Masseführung und Innenaufbau seien vertraulich und würden nicht offengelegt; die Bewertung solle sich deshalb auf das fertige Kabel beziehen. Der Hersteller wünscht sich außerdem, dass das Eigen als „precision calibration/reference-system tool“ dargestellt wird, und legt Wert auf „signal integrity in the time domain“.

Faire Einordnung dieser Thesen

  • Die genannten Mechanismen werden durch unsere Messungen weder bestätigt noch widerlegt. Wir haben keine Materialanalyse, keine Hochfrequenzmessung an der Leitung und keine kalibrierte Jittermessung durchgeführt. Wer das prüfen will, braucht einen Messaufbau, der genau das kann.
  • Zum Zeitverhalten: Die Geräte in dieser Kette arbeiten asynchron – die Wandlertaktung kommt aus dem Gerät, nicht aus der USB-Verbindung. Der ADI-2 Pro lief bei uns auf Clock Source Internal. Das ist ein Argument, aber kein Messwert von uns, und es schließt Masse- oder Schirmungseffekte nicht aus.
  • Zum Einspielen: Laut Hersteller sind die Kabel bereits eingespielt, der Klang könne sich aber „weiter öffnen“. Die Kabel waren zum Messtag seit rund zwei bis drei Wochen im Studio verbaut – das ist meine eigene Angabe zur Nutzung, kein kontrollierter Nachweis. Eine saubere Vorher-Nachher-Prüfung müsste einen unveränderten Referenzlauf mitführen, sonst misst man Gerätetemperatur und Kontaktzustand mit. Das haben wir hier nicht gemacht.
Kabelklang-Testmuster: Nahaufnahme der USB-B-Stecker mit den Kennungen E1 und E2
Zur Nachvollziehbarkeit wurden beide Muster als E1 und E2 beschriftet. Rechts im Bild das serienmäßige RME-Kabel als Referenz. Foto: Peak-Studios.

Kabelklang bei digitalen Audiokabeln: vier Wege, vier Diskussionen

Zunächst eine Abgrenzung: Wer über digitale Audiokabel spricht, meint selten dasselbe. Im Studio laufen vier Übertragungswege nebeneinander, und sie unterscheiden sich technisch deutlich. Das ist wichtig, weil sich die Ergebnisse dieses Tests nicht automatisch auf jeden dieser Wege übertragen lassen.

VerbindungTypische AnwendungTaktungWas hier diskutiert wird
USBRechner zu Audiointerfaceasynchron – das Gerät taktet selbstMasseführung, Schirmung, Einstreuung in die Analogstufen
AES3 / AES-EBUInterface zu Wandler oder AktivlautsprecherTakt liegt im Signal, 110 Ohm symmetrischImpedanzanpassung, Reflexionen bei falschem Kabeltyp
S/PDIF koaxialConsumer-Geräte, ältere WandlerTakt liegt im Signal, 75 Ohm unsymmetrischImpedanz, Masseverbindung zwischen zwei Geräten
Toslink optischConsumer-Geräte, galvanische TrennungTakt liegt im SignalLichtstreuung und Flankensteilheit bei langen Strecken

Kabelklang im HiFi und im Studio: dieselbe Debatte, andere Bedingungen

Geführt wird die Kabelklang-Diskussion übrigens vor allem im High-End-HiFi, und dort meist über Lautsprecherkabel und Netzkabel. Beides sind analoge Verbindungen: Dort bestimmen Querschnitt, Länge, Kapazität und Induktivität tatsächlich messbare elektrische Eigenschaften, und bei Lautsprecherkabeln hängt das Verhalten zusätzlich von der Impedanz der angeschlossenen Box ab. Ob daraus im konkreten Fall ein klanglich relevanter Unterschied wird, ist eine eigene Frage – aber der physikalische Ansatzpunkt existiert.

Bei einer digitalen Verbindung liegen die Dinge dagegen anders. Hier wird kein Musiksignal übertragen, sondern ein Datenstrom. Ein einzelnes Kabel in einer Streaming- oder Studioanlage kann deshalb nicht „wärmer“ klingen – es kann die Daten korrekt übertragen, oder es kann Fehler verursachen. Genau deshalb haben wir bei diesem Test beide Ebenen getrennt geprüft: erst die Datenübertragung, dann das, was hinten analog herauskommt.

Außerdem gehört die Steckerqualität zur Betrachtung: Schlecht sitzende oder oxidierte Stecker erzeugen Wackelkontakte – und die äußern sich als Aussetzer, nicht als Klangfarbe. Die Stecker der Testmuster sitzen stramm und verschraubt, was im Studioalltag der praktisch relevantere Vorteil ist als jede Klangbehauptung.

Warum Kabelklang bei USB anders zu bewerten ist

Folglich liegt der entscheidende Unterschied im Takt: Bei USB im asynchronen Betrieb bestimmt die Uhr im Gerät den Wandelzeitpunkt, nicht das ankommende Signal. Bei AES3, Koax und Toslink steckt der Takt dagegen im Datenstrom selbst – dort ist die Diskussion über Kabeleinflüsse technisch besser begründet, weil Impedanzfehler und Reflexionen die Flanken verschleifen können.

Deshalb betrifft unser Test ausschließlich die USB-Strecke. Über Kabelklang bei koaxialen oder optischen digitalen Audiokabeln sagt er nichts aus. Wer dort Probleme vermutet, prüft zuerst die Impedanz des verwendeten Kabels – ein 75-Ohm-Videokabel verhält sich an einem S/PDIF-Eingang anders als ein beliebiges Cinch-Kabel aus der Schublade.

Und noch eine Einordnung, die in Kabeldiskussionen oft fehlt: Ein defektes oder grenzwertiges Kabel kann sehr wohl hörbare Folgen haben – nur äußert sich das bei digitaler Übertragung nicht als „wärmerer Klang“, sondern als Aussetzer, Knacken oder Verbindungsabbruch. Genau deshalb haben wir die Fehlerzähler mitprotokolliert.

Statt über Kabel zu spekulieren: Lass uns hören, wo dein Mix wirklich steht.
Wir sagen dir konkret, welche Reserven in deiner Produktion stecken.

Der Prüfstand: wo Kabelklang entstehen könnte

Zunächst muss man zwei Dinge auseinanderhalten: was aufgenommen wurde und was abgehört wurde. Das sind bei uns unterschiedliche Wege.

Aufgezeichneter Signalweg der Analogmessungen

Identisch in beiden Kabelzuständen. Nur die beiden rot markierten USB-Verbindungen wurden gewechselt – und zwar gemeinsam.

Rechner und Testobjekt

DAW-RechnerCubase, 44,1 kHz, 32-Bit-Float
Testobjekt 1 · USB-KabelVBS Eigen (USB 2) gegen RME-Original (USB 2)am ADI-2 Pro – gleicher USB-Modus
RME ADI-2 Pro FS R BEWandlung digital/analog und zurückTaktquelle: intern, eigenes Netzteil

Aufnahmeschleife im Projekt

MusikspurMontez „Herzensmensch“Ausschnitt 60,666 Sekunden
Gruppe „Analog“Externer Effekt „Analoge Kette“Send 0,00 dB
AnalogausgangWandlung nach analog
XLR und PatchbayFlock Audio, Pfad 23 links / 24 rechtsdirekt, ohne eingeschleifte Geräte
AnalogeingangWandlung zurück nach digital
Rückweg in die GruppeReturn 0,00 dB
Aufnahmespur „Final Mix“44,1 kHz · Stereo · 32-Bit-Float · fünf vollständige Durchläufe je Zustandzusätzlich: Stille, 1-kHz-Sinus, Sweep von 20 Hz bis 20 kHz

Abhörweg – getrennt vom Aufnahmeweg

DAW-RechnerAcourate Convolver, Entzerrung per Filter
Testobjekt 2 · USB-KabelVBS Eigen (USB 2) gegen RME-Original (USB 3)am UFX+ – hier wechseln Kabel und Betriebsmodus zusammen
RME Fireface UFX+Digitalausgang AES3
Dutch & Dutch 8Czwei aktive LautsprecherWandlung nach analog im Lautsprecher

Taktkette: ADI-2 Pro (intern) gibt den Takt an das UFX+ weiter, das bei 44,1 kHz synchron läuft. Die aufgezeichnete Strecke enthält XLR-Verbindungen, den Patchbay-Pfad und beide Wandlerstufen des ADI-2 Pro. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine isolierte Kabel-, Wandler- oder Jittermessung.

Der Aufnahmeweg

Zunächst läuft die Musikspur in Cubase auf eine Gruppe namens „Analog“. Dort liegt ein External Effect („Analoge Kette“) mit Send und Return auf exakt 0,00 dB. Das Signal geht über den Analogausgang des RME ADI-2 Pro FS R Black Edition hinaus, über XLR und einen direkten Pfad der Flock-Audio-Patchbay (23 L / 24 R, ohne eingeschleifte Prozessoren) zurück in den Analogeingang desselben Geräts und von dort auf die Aufnahmespur „Final Mix“ – 44,1 kHz, Stereo, 32-Bit-Float. Dass Send und Return exakt auf Einheitsverstärkung stehen, ist dabei kein Detail, sondern Voraussetzung für jeden Vergleich – nichts anderes als konsequentes sauberes Pegelmanagement in der Signalkette.

Cubase-Dialog Externe Effekte mit Send Gain 0,00 dB und Return Gain 0,00 dB für die analoge Messschleife
Methodenbeleg: Send und Return des externen Effekts stehen auf exakt 0,00 dB. Vorher waren es −6 dB / +6 dB; die Änderung wurde vor dem ersten Take gesichert und im Programmfenster abgelesen.

Der Abhörweg

Dieser läuft dagegen komplett getrennt: Cubase → Acourate Convolver (FIR-Entzerrung) → RME Fireface UFX+ → AES3 → linker Dutch & Dutch 8C → AES-THRU → rechter 8C. Die Digital-Analog-Wandlung für das Abhören passiert also in den Lautsprechern, nicht im Interface.

Was genau gewechselt wurde – und warum das den Kabelklang-Befund begrenzt

Schließlich beide USB-Verbindungen, und zwar gemeinsam in einem Arbeitsgang.

GerätReferenzzustandTestzustandAnmerkung
ADI-2 Pro FS R BERME-Standardkabel, USB 2VBS Eigen E1, USB 2sauberer Kabelvergleich im gleichen Modus
Fireface UFX+mitgeliefertes RME-Kabel, USB 3VBS Eigen E2, USB 2Kabel und Betriebsmodus wechseln hier zusammen

Dabei handelt es sich um eine bewusste Entscheidung und gleichzeitig die wichtigste Einschränkung des Aufbaus: Der UFX+-Zweig ist ein Praxisvergleich Auslieferungszustand gegen Testkabel, kein reiner Kabelvergleich. RME liefert das UFX+ mit USB-3-Kabel aus – niemand tauscht das im Alltag gegen ein USB-2-Kabel, nur um vergleichbar zu bleiben. Der Hersteller hätte den gleichen Modus bevorzugt; wir haben uns für den realen Zustand entschieden und legen das hier offen. Die technischen Eckdaten des Geräts stehen im Handbuch des ADI-2 Pro FS R.

Konsequenz für die Auswertung: Da beide Kabel zusammen gewechselt wurden, vergleichen die Analogaufnahmen zwei kombinierte Systemzustände. Ein einzelnes Kabel oder ein einzelnes Interface wird dadurch nicht kausal isoliert. Die aufgezeichnete Strecke enthält außerdem XLR-Verbindungen, den Patchbay-Pfad und beide Wandlerstufen des ADI-2 Pro. Es ist keine isolierte Wandler-, Kabel- oder Jittermessung – ähnlich wie beim Vergleich von analoger Hardware gegen Plugins, wo man immer die ganze Kette misst und nie nur ein Bauteil.

Zuvor wurde außerdem alles gesichert: Projektkopie, Cubase-Konfiguration, Patchbay- und Mixer-Dateien, Screenshots des Ausgangszustands, dazu ein Manifest mit SHA-256-Prüfsummen. Die Rohaufnahmen wurden nach der Aufnahme erneut geprüft und weder normalisiert noch bearbeitet oder überschrieben.

Digitale Übertragung: die Vorstufe jeder Kabelklang-Frage

Zunächst einmal war die erste Frage schon vor dem Messtag beantwortet: Kommen die Daten heil an? Diese Prüfungen liegen zeitlich vor dem Messtag und waren bereits dokumentiert.

Bit-Test am ADI-2 Pro

Zunächst zum Bit-Test: Der ADI-2 Pro kann im Gerätemenü prüfen, ob ein Testsignal bitgenau ankommt. Mit dem Referenzkabel und mit dem Testkabel war das Ergebnis identisch: 16-Bit-Datei „16 Bit passed“, 24-Bit-Datei „24 Bit passed“. Bei der 32-Bit-Datei zeigte das Gerät in beiden Fällen ebenfalls nur „24 Bit passed“. Das dokumentiert die Auflösungsgrenze des geprüften Wiedergabepfads – keinen 32-Bit-Durchlauf und keinen Kabelfehler. Wo genau diese Begrenzung entsteht, haben wir nicht separat nachgewiesen.

Digitaler Loopback am UFX+

Außerdem wurde über einen internen Loopback im Interface-Mixer wurde ein 24-Bit-Testsignal aufgenommen und samplegenau verglichen:

Kabelverglichene SamplesAbweichungen auf 24-Bit-Ebene
RME-Kabel (USB 3)353.2800
VBS Eigen (USB 2)353.2800

Allerdings ist das für die Einordnung wichtig: Es handelt sich um Gleichheit auf 24-Bit-Ebene im geprüften Ausschnitt. Im reinen Fließkomma-Vergleich bleibt ein winziges Restsignal von maximal 1,0 · 10⁻¹⁰ – weit unterhalb eines Bits bei 24-Bit-Auflösung und dem 32-Bit-Float-Aufnahmeweg zuzuordnen. Byteidentische Dateien behaupten wir ausdrücklich nicht.

Fachbegriffe der Kabelklang-Debatte kurz erklärt

dBFS – Dezibel bezogen auf die digitale Vollaussteuerung. 0 dBFS ist das Maximum, alle Werte darunter sind negativ. −110 dBFS ist also extrem leise.

Loopback – ein Signal wird im Gerät direkt vom Ausgang auf den Eingang zurückgeführt, um die Übertragung zu prüfen.

Klirrfaktor (THD) – der Anteil zusätzlicher Obertöne, die ein Gerät dem Signal hinzufügt, in Prozent.

Sweep – ein Ton, der langsam von tief nach hoch durchläuft. Damit misst man den Frequenzgang.

Jitter – winzige zeitliche Schwankungen der Taktung bei der Wandlung von digital nach analog.

Fehlerzähler und Dauerläufe

Zudem standen in zwei dokumentierten Läufen von je rund einer Stunde unter laufender Wiedergabe standen die Diagnosewerte der Interfaces am Ende auf null: keine CRC5/16-Fehler, keine CRC32-Fehler, die AES-Verbindung durchgehend im Sync bei 44,1 kHz – im Referenzzustand wie mit dem Testkabel.

Dennoch gehören hier die Grenzen dazu:

  • Zwei weitere Läufe sind unvollständig geblieben (Prozessprobleme, das Programm war am Ende beendet). Es waren also nicht vier bestandene Dauerläufe, sondern zwei.
  • Das Überwachungsskript prüft Prozesse und ausgewählte Systemereignisse im 30-Sekunden-Takt. Es ist kein Dropout-Detektor; zwischen zwei Stichproben kann es nichts beweisen.
  • Der Ereignisfilter arbeitet mit englischen Bezeichnungen und lief auf einem deutschsprachigen System. Die gemeldeten „0 Ereignisse“ sind deshalb kein belastbarer Nullbefund.
  • Die Dateien, auf denen die Loopback-Berichte beruhen, waren am Auswertetag an ihrem dokumentierten Ablageort nicht mehr auffindbar. Die Berichte existieren, die Auswertung der Rohdaten wurde an diesem Tag nicht reproduziert. Das ist eine Archivlücke – und die schreiben wir hin, statt sie zu verschweigen.

Mein eigener Kommentar auf Band gehört hierher, in der richtigen Schärfe: „Die Bit-Tests haben schon mal vollständige Bit-Gleichheit dargestellt. Also da war auf jeden Fall schon mal alles gut gelaufen, aber keinen irgendwie merklichen Unterschied oder sonst irgendwie. Haben wir aber auch nicht erwartet.“ Präziser formuliert: Gleichheit auf 24-Bit-Ebene in den geprüften Ausschnitten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Analogmessungen: Kabelklang im aufgezeichneten Signal

Die eigentliche Frage ist allerdings nicht, ob USB-Pakete ankommen. Die Frage ist, ob am Ende der Kette etwas anders aus dem Wandler kommt. Also haben wir genau das aufgenommen.

Konkret wurden pro Kabelzustand aufgezeichnet:

  1. Musik – ein 60,666 Sekunden langer Ausschnitt in Dauerschleife, fünf vollständige Durchläufe
  2. Stille – rund 30 Sekunden ohne Signal
  3. 1-kHz-Sinus – 5 Sekunden
  4. Sweep – 30 Sekunden logarithmisch von 20 Hz bis 20 kHz, mit je 2 Sekunden Stille davor und danach, Spitzenpegel −18 dBFS

Alles identisch in beiden Zuständen: gleiche Quelle, gleiche Pegel, gleiche Kette. Dann wurden beide Kabel gewechselt und die komplette Serie wiederholt.

Warum fünf Durchläufe statt einem

Andernfalls wäre jede Zahl wertlos. Denn eine analoge Aufnahmestrecke liefert nie zweimal exakt dieselbe Datei – Wandlerrauschen, Temperatur, minimale Pegelschwankungen. Wenn ich wissen will, ob ein Unterschied zwischen zwei Kabelzuständen etwas bedeutet, brauche ich zuerst einen Maßstab dafür, wie stark derselbe Zustand mit sich selbst schwankt.

Deshalb wurde jede Bedingung zunächst fünfmal aufgenommen und in zwei Richtungen ausgewertet:

  • Wiederholung: Durchlauf gegen Durchlauf innerhalb derselben Bedingung – das ist der Rauschteppich des Verfahrens.
  • Kreuzvergleich: jeder Durchlauf der einen Bedingung gegen jeden der anderen – 25 Kombinationen.

Ausgewertet wurde jeweils der identische Innenabschnitt von Sekunde 5 bis 55, also ohne Anlauf- und Schleifenränder. Keine Pegelanpassung, keine Klangbearbeitung, kein Resampling, keine Verschiebung unterhalb eines Samples – die Signale wurden roh voneinander abgezogen.

Ergebnis beim Musiksignal: kein messbarer Kabelklang

VergleichRestsignal (RMS der Wellenformdifferenz)
VBS gegen RME, alle 25 Paarungen, beide Kanäle−109,88 bis −109,38 dBFS
VBS gegen VBS (Wiederholung derselben Bedingung)−109,92 bis −109,57 dBFS
RME gegen RME (Wiederholung derselben Bedingung)−109,85 bis −109,55 dBFS
größte Pegeldifferenz der Nutzsignaleunter 0,000040 dB

Der entscheidende Vergleich: Kabelwechsel gegen bloße Wiederholung

Wertebereiche der Wellenform-Restdifferenz über alle ausgewerteten Paarungen, identischer Innenabschnitt von Sekunde 5 bis 55.

VBS gegen RME – 25 Paarungen über beide Kabelzustände−109,88 bis −109,38 dBFS
VBS gegen VBS – Wiederholung desselben Zustands−109,92 bis −109,57 dBFS
RME gegen RME – Wiederholung desselben Zustands−109,85 bis −109,55 dBFS
−109,92 dBFSlineare Skala über 0,54 dB−109,38 dBFS

Die drei Bereiche überlappen sich weitgehend. Der Unterschied zwischen den beiden Kabelzuständen bewegt sich also in derselben Größenordnung wie der Unterschied zwischen zwei Aufnahmen desselben Zustands – nur die Kreuzvergleiche reichen etwas weiter nach oben. Ohne diesen Maßstab wäre die Zahl −109,6 dBFS nicht einzuordnen.

Dies ist im Übrigen die zentrale Tabelle des ganzen Tests. Denn der Unterschied zwischen den Kabelzuständen liegt in derselben Größenordnung wie der Unterschied zwischen zwei Aufnahmen desselben Zustands. Die Bereiche überlappen sich weitgehend, sie sind aber nicht identisch – die Kreuzvergleiche reichen etwas weiter nach oben.

Andererseits heißt das nicht: dass die Aufnahmen identisch sind. Sind sie nicht, und das ist bei analogen Aufnahmen auch nicht zu erwarten. Was es ebenfalls nicht heißt: dass eine Restdifferenz bei −110 dBFS unhörbar ist. Wir haben keine Hörbarkeitsschwelle kalibriert, und ein Differenzpegel ist kein Hörbarkeitsmaß.

Kabelklang-Differenzspektrogramm zwischen VBS- und RME-Bedingung, gleichförmiges Rauschfeld ohne Struktur
Wellenformdifferenz zwischen beiden Bedingungen, Durchlauf 2, Innenabschnitt 50 s. Farbskala fest von −175 bis −115 dBFS/Hz, keine individuelle Normalisierung. Zu sehen ist ein gleichförmiges Rauschfeld ohne erkennbare Struktur.
Differenzspektrogramm zweier Aufnahmen derselben VBS-Bedingung als Maßstab für die Wiederholungsstreuung
Zum Vergleich auf identischer Skala: die Differenz zwischen zwei Aufnahmen desselben Zustands. Optisch praktisch derselbe Befund – das ist genau der Punkt. Ohne diesen Maßstab wäre das Bild darüber nicht einzuordnen.
Spektrogramm-Überlagerung beider Kabelbedingungen beim Musiksignal mit Differenzkarte darunter
Gegenüberstellung beider Bedingungen beim Musiksignal: oben die überlagerten Spektrogramme (VBS rot, RME cyan, Deckung grau bis weiß), unten das Leistungsdichte-Verhältnis. Das Musikbild erscheint durchgehend in Deckungsfarben – die farbigen Flächen unten sind Rauschen, keine Kabelsignatur.

Zeitliche Stabilität – das Jitter-Argument beim Kabelklang

Weil bei Digitalverbindungen zudem schnell das Wort „Jitter“ fällt: Wir haben die zeitliche Lage der Signale geprüft. 60 Einzelprüfungen (fünf Take-Paare × sechs Fenster × zwei Kanäle) ergaben bei einem Suchbereich von ±4 Samples überall einen ganzzahligen Restversatz von null. Der anschließende Feinabgleich blieb unter 0,000024 Samples, die daraus abgeleitete äquivalente Driftsteigung unter 0,0000043 ppm.

Dennoch gilt: Diese Zahlen sind modellbasierte Diagnostik – keine kalibrierte Jittermessung. Sie belegen, dass die Vergleichsmethode keine Zeitkorrektur braucht. Wer eine echte Jitteraussage will, braucht ein dafür gebautes Messverfahren; wir haben keines eingesetzt und behaupten deshalb auch nichts über Jitter.

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Telefonisch erreichst du uns in der Zeit von Mo-Fr von 09-20 Uhr

Stille, Sinuston und Sweep: Kabelklang in Messwerten

MessgrößeVBS L / RRME L / RDifferenz
Stille, 20 Hz–20 kHz, ungewichtet−113,619 / −113,681 dBFS−113,516 / −113,565 dBFS+0,104 / +0,116 dB
1-kHz-Grundton (RMS)−4,20712 / −4,18519 dBFS−4,20710 / −4,18518 dBFS+0,000024 / +0,000006 dB
Klirrfaktor H2–H100,000299 / 0,000231 %0,000301 / 0,000231 %
Klirrfaktor inkl. Rauschen (THD+N)0,000584 / 0,000544 %0,000576 / 0,000540 %
Sweep-Übertragung bei 1 kHz−0,19737 / −0,17544 dB−0,19727 / −0,17535 dB+0,000103 / +0,000094 dB
max. Abweichung über 241 Frequenzstützstellen< 0,000163 dB

Zunächst zum Frequenzgang: Die Kurven decken sich über den gesamten Hörbereich so eng, dass sie im Diagramm aufeinanderliegen. Der Unterschied liegt bei unter zwei Zehntausendstel Dezibel – mehrere Größenordnungen unterhalb dessen, worüber in der Praxis diskutiert wird.

Kabelklang gemessen: Frequenzgang beider USB-Kabelbedingungen, die Kurven liegen deckungsgleich übereinander
Oben: Frequenzgang beider Bedingungen, je Kanal auf 1 kHz bezogen (1/24-Oktav-Schätzung, 241 Stützstellen). Unten: die absolute Differenz – bitte auf die Achsenskalierung in Zehntausendstel Dezibel achten.
Spektrogramm-Überlagerung von VBS- und RME-Bedingung beim Sweep, die Sweep-Linie erscheint durchgehend weiß
Dieselbe Gegenüberstellung für den Sweep. Oben liegen beide Bedingungen übereinander: VBS ist rot eingefärbt, RME cyan – wo beide gleich stark sind, ergibt das Grau bis Weiß. Die Sweep-Linie erscheint durchgehend weiß, beide Zustände decken sich also über den gesamten Frequenzbereich. Unten das Leistungsdichte-Verhältnis mit fester Skala von ±6 dB: Das körnige Muster ist Rauschen, das in praktisch signalfreien Bereichen große relative Werte erzeugt – es ist keine Kabelsignatur.

Die eine Auffälligkeit: Rauschpegel bei Stille

Allerdings liegt die Referenzbedingung im Band 20 Hz bis 20 kHz um rund 0,10 bis 0,12 dB höher. Das ist der einzige Wert dieser Messreihe, der spürbar über dem Zahlenrauschen liegt. Bevor daraus etwas gemacht wird:

  • Es gibt nur eine einzige Stilleaufnahme pro Zustand. Keine Wiederholung, keine Streuungsangabe, also keine Basis für eine Ursachenzuordnung.
  • Beide Kabel wurden gemeinsam gewechselt. Selbst wenn der Unterschied real ist, sagt er nichts darüber, welche der beiden Verbindungen ihn verursacht – oder ob überhaupt eine davon.
  • Der Zustand von Taktung, interner Signalverarbeitung und Eingangsverstärkung wurde nach dem Wechsel nicht vollständig unabhängig neu abgelesen.

0,1 dB im Rauschband eines Systems, das bei −113 dBFS rauscht, liegt außerdem weit unterhalb dessen, was bei laufender Musik eine Rolle spielt.

Kabelklang bei Stille: Rauschspektren beider Bedingungen mit Netzbrumm-Muster bei 50 Hz und Vielfachen
Stille im gemeinsamen Innenfenster, überlagerte mittlere Spektren. Oben ist das typische Netzbrumm-Muster bei 50 Hz und Vielfachen zu sehen – wer solche Linien im eigenen Setup findet, wird bei den Ursachen von Brummen im Audiosignal fündig. Wichtig zur unteren Kurve: Die Differenz schwankt um mehrere Dezibel pro Frequenzband – das ist normales Verhalten zufälligen Rauschens und keine Kabelsignatur. Ein Leistungsdichte-Verhältnis ist kein Wellenform-Nulltest.
Überlagerte Spektren des 1-kHz-Sinustons beider Kabelbedingungen mit praktisch deckungsgleichem Oberwellenmuster
Der 1-kHz-Sinus über die volle Länge. Grundton und Oberwellenmuster beider Bedingungen sind praktisch deckungsgleich; die Klirrwerte liegen bei rund 0,0003 %.

Zur Zahl der Nachkommastellen: Viele der Werte oben haben fünf oder sechs Nachkommastellen. Das ist die Rechenauflösung des Verfahrens, nicht die Messgenauigkeit. Eine kalibrierte Messunsicherheit haben wir für diese Kette nicht bestimmt. Wer aus 0,000103 dB eine physikalische Aussage macht, überdehnt die Daten.

Gegenprobe zum Original: verändert Kabelklang die Treue?

Schließlich haben wir beide Bedingungen direkt gegen die digitale Originaldatei gestellt – also gegen das, was vor der ganzen analogen Schleife im Projekt lag.

Wellenformabstand zum OriginalVBS L / RRME L / R
bei unverändertem Aufnahmepegel−40,26948 / −40,52382 dBFS−40,26950 / −40,52380 dBFS
nach reiner Pegelanpassung (Diagnose)−41,07187 / −41,12496 dBFS−41,07185 / −41,12497 dBFS

Warum es keinen stabilen Gewinner gibt

Zunächst ohne Anpassung: Dort liegt die Referenzbedingung links minimal näher am Original, die Testbedingung rechts. Nach bloßer Pegelanpassung kehrt sich die Reihenfolge in beiden Kanälen um. Die Unterschiede betragen rund 0,000013 beziehungsweise 0,000023 dB – und sind damit kleiner als die Streuung, die dieselbe Bedingung über ihre fünf Durchläufe zeigt (rund 0,00017 bis 0,00025 dB).

Folglich gibt es hier keinen stabilen Gewinner. Welche Bedingung numerisch näher am Original liegt, hängt davon ab, welchen Kanal und welche Pegelbehandlung man betrachtet. Das ist kein Ergebnis, das man in eine Richtung drehen darf.

Zwei Zahlen, die gern verwechselt werden

Außerdem noch eine Einordnung, die gern durcheinandergeht: Der Abstand zum Original liegt bei etwa −40 dBFS, die Differenz zwischen den beiden Aufnahmen bei etwa −110 dBFS. Das sind zwei völlig verschiedene Größen. Die −40 dB enthalten die komplette gemeinsame Systemübertragung – Pegel, Phase, Filter, Wandlung hin und zurück. Das ist keine Verzerrung durch ein Kabel, sondern das, was eine analoge Schleife nun mal mit einem Signal macht. Beide Zustände zeigen es gleichermaßen.

Der verblindete Durchgang: 11 zu 9

Messwerte beantworten allerdings nicht die Frage, um die es den meisten eigentlich geht. Deshalb haben wir zusätzlich gehört – und zwar verblindet.

Aufbau des Blindtests

Dafür wurde aus den Aufnahmen ein Testpaket gebaut: 20 feste Runden, jeweils drei Dateien mit den neutralen Kennungen A, B und X. A und B sind die beiden Zustände desselben Aufnahme-Paares, X ist eine byteidentische Kopie von A oder B. Fünf Aufnahme-Paare, jedes viermal vorgelegt, Reihenfolge zufällig gemischt, die Zuordnung von A/B und X je Runde unabhängig ausgelost.

Außerdem gilt für alle 60 Dateien: 50 Sekunden, Stereo, 44,1 kHz, 32-Bit-Float, gleiche Größe, gleiches Format, Metadaten entfernt, Änderungszeit vereinheitlicht. Keine Pegelnormalisierung. Der Zuordnungsschlüssel wurde vorab per Prüfsumme festgeschrieben und war bis nach der Auswertung nicht einsehbar; die Festlegung wurde anschließend unverändert verifiziert, ebenso die Prüfsummen aller 60 Dateien. Abgehört wurde nicht über eine Vergleichssoftware, sondern durch neutrales Spurumschalten in einem eigenen Testprojekt.

Präferenz oder Erkennbarkeit? Was beim Kabelklang wirklich gefragt wurde

Hier muss dieser Bericht ehrlicher sein als die meisten Kabeltests im Netz.

Es wurde in allen 20 Runden nach Präferenz gefragt: „Was ist besser, klarer, insgesamt auflösender?“ Es wurde nicht gefragt: „Ist X gleich A oder gleich B?“

Das ist allerdings ein entscheidender Unterschied. Die klassische ABX-Frage ist eine Identifikationsaufgabe – sie misst, ob jemand zwei Signale zuverlässig auseinanderhalten kann. Was hier vorliegt, ist eine Präferenzerhebung – sie misst, was jemand lieber mag. Beides ist legitim, aber man darf das eine nicht als das andere verkaufen.

Zur Vollständigkeit: In einer frühen Auswertung wurde eine Äußerung aus Runde 1 als formale ABX-Antwort gewertet. Das war falsch und wurde korrigiert. Die Originalaufzeichnung bleibt unverändert im Datenbestand; die überholte Interpretation ist als solche markiert.

Das Ergebnis des Kabelklang-Durchgangs

Verblindeter Präferenzdurchgang: 20 Runden, ein Hörer

Kriterium in allen Runden: „besser, klarer, insgesamt auflösender“ – keine Identifikationsaufgabe.

Zufallserwartung: 10
11
9
VBS Audio Eigen55 Prozent der Siegerwahlen
RME-Originalkabel45 Prozent der Siegerwahlen

Zweiseitiger exakter Binomialtest gegen eine faire 50:50-Verteilung: p = 0,824. Eine systematische Präferenz ist damit nicht nachgewiesen – und das ist zugleich kein Beleg für Klanggleichheit.

Mein eigener Eindruck während des Durchgangs, aus der Sprachnotiz:

„Grundsätzlich war die Entscheidung unglaublich schwer, aber ich habe immer das Gefühl, dass bei einem Signal immer etwas die Stimme oder der Mittenbereich grundsätzlich deutlicher oder mehr geboostet war und grundsätzlich auch ein bisschen klarer war im Kontext. Ob das jetzt einfach nur Einbildung ist, kann ich natürlich jetzt abschließend, bevor wir das Testergebnis haben, noch nichts sagen. […] Die Signale sind grundsätzlich schon sehr, sehr ähnlich von der Klangcharakteristik.“

Übrigens: Wer selbst einmal erleben will, wie schwer solche Urteile fallen, kann das mit unserem Hörquiz zu Mixing und Mastering ausprobieren – dort geht es um deutlich größere Unterschiede als hier, und trotzdem ist es kniffliger, als die meisten erwarten.

Das ist ein persönlicher Höreindruck – und er steht hier genau so, wie er gefallen ist. Er ist kein Messergebnis, und er wird hier auch nicht in eines umgedeutet. Wenn er mit den Zahlen kollidiert, gewinnen weder die Zahlen noch der Eindruck: Dann steht beides nebeneinander, so wie jetzt.

Was die Statistik sagt – und was nicht

Für die Auswertung stellt man deshalb eine einfache Frage: Wenn gar kein Unterschied in der Bewertung läge und jede Wahl reiner Zufall wäre – wie oft käme dann ein Ergebnis heraus, das mindestens so schief ist wie 11:9?

Genau das lässt sich exakt ausrechnen. Das Nullmodell ist eine faire 50:50-Zuordnung – die verdeckte Auslosung liefert genau die. Das interessierende Ereignis ist eine Abweichung von 10:10 in beliebige Richtung, also höchstens 9 oder mindestens 11 Wahlen für eine Bedingung. Zwei Seiten deshalb, weil vorab keine Richtung festgelegt war – wir haben nicht vorhergesagt, welches Kabel gewinnen würde.

Das Ergebnis: p = 0,824.

Anschaulich gesagt: Unter reinem Zufall käme ein mindestens so unausgeglichenes Ergebnis in rund 82 von 100 solcher Serien heraus. 11:9 ist also ein vollkommen unauffälliges Zufallsresultat. Zur Kontrolle wurden zusätzlich eine Million Serien simuliert: 823.938 davon waren mindestens so unausgeglichen, also 82,3938 % gegenüber exakt 82,3803 % – bei einem Simulationsfehler von etwa 0,038 Prozentpunkten. Die Simulation bestätigt die Rechnung; sie erzeugt kein zusätzliches Hörmaterial und vergrößert die Stichprobe nicht. Nachgerechnet wurde mit dem exakten Binomialtest aus SciPy, gegengeprüft mit einer unabhängigen Berechnung.

Vier Fehldeutungen, die man beim p-Wert vermeiden sollte

Erfahrungsgemäß wird dieser Wert regelmäßig falsch wiedergegeben. Er bedeutet ausdrücklich nicht:

  • Nicht „Die Kabel klingen mit 82 % Wahrscheinlichkeit gleich.“ Ein p-Wert ist keine Wahrscheinlichkeit für eine Hypothese.
  • Nicht „82 % der Antworten waren geraten.“ Der Wert sagt nichts über einzelne Antworten.
  • Nicht „55 % Trefferquote.“ Es gab keine richtigen oder falschen Antworten, weil es keine Identifikationsaufgabe war.
  • Nicht „Damit ist bewiesen, dass es keinen Unterschied gibt.“ Nichtsignifikanz ist kein Beweis für Gleichheit.

Und der Punkt, der am meisten unter den Tisch fällt: Zwei hörbar verschiedene Varianten können trotzdem gleich oft bevorzugt werden. 11:9 ist mit nicht unterscheidbaren Signalen vereinbar – aber genauso mit unterscheidbaren Signalen ohne stabile Vorliebe. Beide Möglichkeiten bleiben nach diesem Durchgang offen.

Die Grenzen dieses Kabelklang-Hördurchgangs

  • Ein Hörer. Keine Aussage über andere Ohren.
  • Ein Musikstück. Keine Aussage über anderes Material.
  • Fünf Aufnahme-Paare, viermal gehört. Das sind Wiederholungen derselben Aufnahmen, keine 20 unabhängigen Hardwarewechsel.
  • Beide Kabel gemeinsam gewechselt. Keine Isolierung einzelner Verbindungen.
  • Kein standardkonformer ABX- oder ITU-Test. Wir behaupten keine Normkonformität; der methodische Rahmen der ITU-R BS.1116-3 dient hier nur zur Einordnung.
  • Die Wiedergabeeinstellungen wurden während des Hörens nicht unabhängig protokolliert. Import, Fader, Panorama, Effekte und Ausgangszuordnung sind nicht unabhängig belegt. Eine spätere Prüfung des Projekts kann den damaligen Zustand nicht rückwirkend beweisen.
  • Eine Beobachtung, die wir nicht wegdiskutieren: In Runde 1 waren B und X byteidentisch, wurden aber sprachlich unterschiedlich beschrieben. Bei einer reinen Präferenzabfrage ist das keine falsche Antwort – aber es zeigt, wie stark Wahrnehmung schwankt, wenn Signale sehr ähnlich sind. Die Ursache lässt sich aus den Antworten nicht bestimmen.

Kabelklang im Fazit: was das bedeutet – und was nicht

Was wir zum Kabelklang sagen können

Zusammengefasst gilt: Unter den hier dokumentierten Bedingungen – dieses Studio, diese Geräte, dieses Musikstück, dieser Hörer – lieferten beide Zustände eine praktisch deckungsgleiche Nutzsignalübertragung. In den geprüften digitalen Ausschnitten kamen die Daten auf 24-Bit-Ebene fehlerfrei an. Der verblindete Präferenzdurchgang zeigte keinen systematischen Vorteil. Und gegen das digitale Original ergab sich keine konsistente Rangfolge.

Was wir nicht sagen können

  • Dass audiophile USB-Kabel grundsätzlich keinen Einfluss haben können. Dieser Test prüft zwei konkrete Kabel in einer konkreten Kette – nicht das Prinzip.
  • Dass die Unterschiede unhörbar sind. Dafür bräuchte es eine Identifikationsaufgabe, die wir nicht durchgeführt haben.
  • Dass die kleine Rauschabweichung bei Stille vom Kabel kommt. Eine Stilleaufnahme pro Zustand, beide Verbindungen gemeinsam gewechselt – das trägt keine Kausalaussage.
  • Dass die Herstellerthesen zu Mikrostruktur, Geometrie und Zeitverhalten falsch sind. Sie sind mit diesem Aufbau schlicht nicht geprüft.

Fair gegenüber dem Hersteller

Immerhin hat Andrej dem kompletten Verfahren – verblindeter Hörtest, objektive Messungen, Langzeitbeobachtung – vorab schriftlich zugestimmt, obwohl klar war, dass wir auch ein Nullresultat veröffentlichen würden. Er hat die Kabel kostenlos gestellt und die Publikation freigegeben, ohne Einfluss auf das Ergebnis zu nehmen. Das ist mehr Offenheit, als in dieser Branche üblich ist, und das gehört ebenso in diesen Bericht wie die Zahlen.

Fair gegenüber der Fragestellung

Andernfalls gilt: Wenn wir die Frage „Kann man die Zustände zuverlässig auseinanderhören?“ wirklich beantworten wollten, bräuchte es eine eigene Identifikationsserie mit vorab festgelegter Auswertung und einer Stichprobenplanung, die zu dem Effekt passt, den man finden will. Das haben wir bewusst nicht drangehängt – man wiederholt einen Test nicht so lange, bis das gewünschte Ergebnis erscheint.

Was ich persönlich mitnehme

Zwei Dinge.

Erstens: Der Aufwand hat sich durchaus gelohnt – aber nicht wegen des Resultats, sondern wegen der Methode. Die Wiederholungsvergleiche waren der wichtigste Teil dieser Messreihe. Ohne sie hätte ich eine Restdifferenz von −109,6 dBFS zwischen den Zuständen gesehen und vermutlich gedacht, das sei etwas. Erst der Maßstab „wie stark schwankt dasselbe System mit sich selbst?“ macht die Zahl lesbar. Wer solche Tests ohne diesen Schritt veröffentlicht, veröffentlicht sein eigenes Rauschen.

Genau dieses Prinzip – erst prüfen, dann entscheiden – bieten wir auch als Leistung an: Bei einer Mix-Analyse hören wir uns eine Produktion gezielt an und benennen, wo die Reserven wirklich liegen. Und wer wissen will, was unser Mastering aus einem konkreten Song macht, bevor ein ganzes Album ansteht, kann das mit einem einzelnen Song als Test-Mastering herausfinden – ein belegbares Ergebnis statt eines Versprechens.

Warum verblindetes Hören unbequem ist

Zweitens: Ich habe beim Hören durchaus etwas zu hören geglaubt – Mitten deutlicher, etwas mehr Auflösung. Nach dem Auflösen der Verblindung stand da 11:9. Das ist genau die Erfahrung, die man selbst gemacht haben muss, um zu verstehen, warum verblindetes Hören bei kleinen Unterschieden so unbequem und so notwendig ist.

Was bleibt, ist schließlich eine einfache Empfehlung für alle, die vor derselben Frage stehen: Bevor vierstellige Beträge in eine Verbindung fließen, lohnt sich ein Blick darauf, wo im eigenen Setup die wirklich großen Hebel liegen. Gemessen an dem, was eine komplette Mixing- und Mastering-Produktion kostet, steht der Preis eines einzelnen Kabels ohnehin in einem eigenwilligen Verhältnis zum belegbaren Nutzen. Raumakustik, Abhörsituation und die Qualität der Aufnahme selbst bewegen in unserer täglichen Arbeit Größenordnungen, über die wir hier in Zehntausendstel Dezibel diskutieren. Auch ein sauber konfigurierter Audio-Rechner bringt im Alltag mehr Stabilität als jedes Kabel.

Methoden- und Datenanhang zur Kabelklang-Messung

Abschließend richtet sich dieser Abschnitt an alle, die nachrechnen oder nachbauen wollen. Wer nur das Ergebnis wissen wollte, ist oben fertig.

Aufnahme und Musikvergleich

Format: 44,1 kHz, Stereo, 32-Bit-Float. Musikquelle 2.675.375 Samples (60,666099773 s). Musikrohdatei 317,875873 s beziehungsweise 320,259524 s, je fünf vollständige Durchläufe extrahiert – nur ganzzahliger Zuschnitt, keine Bearbeitung.

Musikvergleich: identischer Innenabschnitt 5–55 s. Fehlerpegel = RMS der direkten Wellenformdifferenz. Keine Verstärkungs-, Klang-, Bruchteil-Sample- oder Resampling-Korrektur. 25 Kreuzvergleiche, je 10 Wiederholungsvergleiche pro Bedingung.

Testsignale: Stille, Sinus und Sweep

Stille: gemeinsames Innenfenster 1–28,889 s. Welch-Verfahren, 2-s-Hann-Fenster, 50 % Überlappung, Mittelwertentfernung pro Fenster, Band 20 Hz–20 kHz, ungewichtet (keine A-Bewertung).

1-kHz-Sinus: identisches Dateifenster 2–5 s. Frequenzanpassung des Grundtons, Kleinste-Quadrate-Fit, Oberwellen H2 bis H10. Klirrfaktor inklusive Rauschen aus dem grundtonbereinigten Rest im Band 20 Hz–20 kHz. Eine Methodenkontrolle mit einem synthetischen Signal bekannter Verzerrung (0,1 % zweite Oberwelle) ergab −60,000005 dBc gegenüber einem Sollwert von −60 dBc.

Sweep: Quelle 34 s gesamt (2 s Stille + 30 s logarithmischer Sweep 20 Hz–20 kHz + 2 s Stille), Spitzenpegel −18 dBFS, Ein-/Ausblendung 50 ms beziehungsweise 20 ms, beide Kanäle identisch. Beide Rückläufe auf dieselbe vollständige Quelle bezogen. Gleiche FFT-Aufbereitung, Quotient summierter Spektralleistungen in 1/24-Oktav-Bändern, 241 Stützstellen, absolut und zusätzlich je Kanal auf 1 kHz bezogen. Eine synthetische Kontrolle mit bekannter Verstärkungsdifferenz von −6 dB wurde bestanden. Die Randbänder sind durch Ein-/Ausblendungen und Sweep-Grenzen eingeschränkt interpretierbar; eine nach Oberwellen aufgeschlüsselte Klirrmessung über der Frequenz ist damit nicht durchgeführt.

Spektrogramme und warum Differenzbilder täuschen können

Verfahren: Kurzzeit-Fouriertransformation mit symmetrischem Hann-Fenster 4096, Schrittweite 2048, keine Mittelwertentfernung, einseitige Leistungsdichte in dBFS/Hz. Hauptskala −165 bis −15 dBFS/Hz; Rausch- und Restsignalansichten separat −175 bis −115. Überlagerungen mit gemeinsamer Skala, keine individuelle Normalisierung. Welch-Vergleiche: Hann 16384, bei Stille 65536, 50 % Überlappung. Die Spektrogrammdefinition aus SciPy ist die Grundlage der Darstellung.

Warum Differenzbilder mit Vorsicht zu lesen sind: Eine Differenzkarte der Form 10·log₁₀(Leistungsdichte A / Leistungsdichte B) ist kein Spektrogramm einer Wellenformdifferenz. Zufälliges Rauschen ist nie in jedem Frequenzband identisch; in Bereichen mit sehr niedrigem absolutem Pegel entstehen dadurch große relative Abweichungen, die bunt aussehen und nichts bedeuten. Deshalb stehen in diesem Artikel bei jeder solchen Grafik die absolute Skala und dieser Hinweis dabei.

Was der Test über Kabelklang nicht aussagt

Sämtliche im Text genannten Werte stammen aus den archivierten Auswertungsdateien der Messläufe und wurden für diesen Artikel gegen diese Dateien und ihre jeweiligen Auswertefenster geprüft. Ein vollständiges Quellen- und Aussagenregister, das jede Zahl auf Datei, Fenster und Verfahren zurückführt, liegt im Projektarchiv vor.

Was aus diesen Daten nicht bestimmbar ist: Übersprechen zwischen den Kanälen (die Anregung war auf beiden Kanälen identisch), kalibrierter Jitter, isolierte elektrische Kabeleigenschaften sowie jede Aussage über Geräte, Räume, Musik oder Hörer außerhalb dieses Aufbaus.

Interessenkonflikt und Datenbestand

Die getesteten Kabel wurden kostenlos als Produktmuster gestellt und verbleiben bei Peak-Studios. Es floss kein Geld, es gab keine inhaltliche Vorgabe und keine Freigabe dieses Textes durch den Hersteller. Der Hersteller hat dem Verfahren und der Veröffentlichung eines Nullresultats vorab zugestimmt.

Rohaufnahmen, Blindtestpaket, Antwortschlüssel und Auswertungsskripte liegen vollständig im Projektarchiv und sind über Prüfsummen-Manifeste gegen Veränderung gesichert. Sie werden aus Gründen des Urheberrechts an der Testmusik und der Testintegrität nicht öffentlich bereitgestellt. Rückfragen zur Methodik beantworten wir gern direkt.

Häufige Fragen zum Kabelklang

Bei der Datenübertragung selbst nicht – die ist fehlergesichert. Die Datenübertragung selbst ist fehlergesichert – entweder ein Paket kommt korrekt an oder es kommt nicht an. Diskutiert werden deshalb meist indirekte Wege: Masseführung, Schirmung und Einstreuungen in die analoge Umgebung. Unser Test hat beides geprüft: die Datenübertragung (auf 24-Bit-Ebene fehlerfrei) und die analoge Ausgabe (praktisch deckungsgleich). Er beantwortet die Frage damit aber nur für diese zwei Kabel in dieser Kette.

In unserer Messreihe war bei USB kein Kabelklang nachweisbar. Pauschal lässt sich das nicht beantworten, weil „digitale Audiokabel“ vier verschiedene Übertragungswege meint. Bei USB im asynchronen Betrieb taktet das Gerät selbst – dort ist ein Einfluss technisch schwer zu begründen und war in unserer Messreihe nicht nachweisbar. Bei AES3, koaxialem S/PDIF und Toslink steckt der Takt im Signal; dort können Impedanzfehler und Reflexionen tatsächlich messbare Folgen haben. Unser Test deckt ausschließlich die USB-Strecke ab.

An Aussetzern, Knacken und steigenden Fehlerzählern – nicht an einer veränderten Klangfarbe. Bei digitaler Übertragung äußern sich Kabelprobleme nicht als Klangfarbe, sondern als Aussetzer, Knacken, Verbindungsabbrüche oder steigende Fehlerzähler im Treiber. Viele Audiointerfaces zeigen solche Zähler direkt an. Steht dort dauerhaft null, arbeitet die Strecke im geprüften Bereich fehlerfrei.

Weil in diesem Durchgang nach Präferenz gefragt wurde, nicht nach Identifikation. Weil in diesem Durchgang tatsächlich nach Präferenz gefragt wurde und nicht nach Identifikation. Das im Nachhinein als ABX zu verkaufen, wäre unredlich. Für eine belastbare Aussage über hörbare Unterscheidbarkeit bräuchte es eine eigene Serie mit vorab festgelegter Auswertung und passender Stichprobenplanung.

Fragen zu Testaufbau und Aussagekraft

Nein – bei 20 Zufallsentscheidungen ist 11:9 ein völlig unauffälliges Ergebnis. Nein. Bei 20 Zufallsentscheidungen ist 11:9 ein völlig unauffälliges Ergebnis – es tritt unter reinem Zufall in rund 82 von 100 Fällen mindestens so ausgeprägt auf. Aus 11:9 lässt sich kein Vorteil ableiten.

Aus praktischen Gründen im laufenden Studiobetrieb – der Preis dafür ist, dass die Ursache eines Unterschieds keiner einzelnen Verbindung zugeordnet werden kann. Aus praktischen Gründen im laufenden Studiobetrieb – und weil der realitätsnahe Vergleich der Auslieferungszustand gegen den Testzustand ist. Der Preis dafür ist, dass die Ursache eines etwaigen Unterschieds nicht einer einzelnen Verbindung zugeordnet werden kann. Diese Einschränkung steht deshalb an jeder relevanten Stelle im Text.

Nur eingeschränkt – gemessen wurde eine konkrete Kette mit konkreten Geräten. Nur eingeschränkt. Gemessen wurde eine konkrete Kette mit konkreten Geräten. Andere Interfaces, andere Masseverhältnisse und andere Räume können sich anders verhalten. Die Methode ist übertragbar – das Ergebnis nur als Hinweis.

Sie geben die Rechenauflösung wieder, nicht die Messgenauigkeit. Sie geben die Rechenauflösung wieder, nicht die Messgenauigkeit. Eine kalibrierte Messunsicherheit für diese Kette haben wir nicht bestimmt. Deshalb interpretieren wir Unterschiede nur dann, wenn sie größer sind als die beobachtete Streuung derselben Bedingung.

Fachbegriffe und Praxis

dBFS ist der digitale Pegel bezogen auf die Vollaussteuerung: 0 dBFS ist das Maximum, alle Werte darunter sind negativ. dBFS steht für „Dezibel relativ zur Vollaussteuerung“. 0 dBFS ist der maximal darstellbare digitale Pegel; alle Werte darunter sind negativ. Ein Restsignal von −110 dBFS ist also extrem leise – rund 110 Dezibel unterhalb der Vollaussteuerung.

Beim Nulltest zieht man zwei Signale voneinander ab; bleibt Stille übrig, sind sie identisch. Beim Nulltest zieht man zwei Signale voneinander ab; bleibt exakt Stille übrig, sind sie identisch. Das funktioniert bei rein digitalen Kopien. Sobald ein Signal durch Digital-Analog- und Analog-Digital-Wandlung läuft, bleibt immer ein Rest – Wandlerrauschen und minimale Schwankungen. Deshalb braucht man zusätzlich den Vergleich einer Bedingung mit sich selbst als Maßstab.

Auf Raumakustik, Abhörsituation und die Qualität der Aufnahme selbst. Aus unserer täglichen Arbeit: Raumakustik und Abhörsituation zuerst, danach die Qualität der Aufnahme selbst. Diese drei Punkte bewegen Größenordnungen, über die in Kabeldiskussionen in Zehntausendstel Dezibel gestritten wird.

Bild von Chris Jones

Chris Jones

C.E.O – Mixing- und Mastering-Engineer. Gründer von Peak-Studios (2006) und einer der ersten Online-Dienstleister für professionelles Audio-Mixing und Mastering in Deutschland.