ISRC-Code: Aufbau, Vergabe und Bedeutung für dein Release
Was steckt hinter dem Code?
Die Kennung funktioniert wie eine Seriennummer für Tonaufnahmen: Sie hängt an der konkreten Aufnahme, nicht am Song als Werk und nicht am Produkt. Veröffentlichst du denselben Track zum Beispiel auf einer Single, später auf einem Album und in einer Compilation, bleibt der Code identisch – denn die Aufnahme ist dieselbe. Erstellst du dagegen eine neue Version (Remix, Radio-Edit, Remaster, Live-Version), bekommt diese eine eigene Kennung, denn es handelt sich um eine neue Aufnahme.
Genau diese Eindeutigkeit macht den Code so wichtig: Spotify, Apple Music und Co. zählen Streams pro ISRC, die GfK Entertainment ermittelt darüber außerdem die deutschen Charts, und Verwertungsgesellschaften wie die GVL rechnen ihre Vergütungen ebenfalls anhand des Codes ab. Ohne ihn lassen sich Abrufe und Erlöse deshalb nicht sauber deiner Aufnahme zuordnen.
So ist der Code aufgebaut
Der Code besteht aus zwölf Zeichen in vier Blöcken, zum Beispiel DE-A12-26-00007:
| Block | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Länderpräfix (2 Zeichen) | DE | Land der vergebenden Stelle, z. B. DE für Deutschland |
| Erstvergabeschlüssel (3 Zeichen) | A12 | Kennung des Labels bzw. Rechteinhabers, vergeben vom BVMI |
| Jahresschlüssel (2 Ziffern) | 26 | Jahr der Vergabe, z. B. 26 für 2026 |
| Aufnahmeschlüssel (5 Ziffern) | 00007 | Laufende Nummer, die du selbst pro Aufnahme vergibst |
Die Bindestriche dienen allerdings nur der Lesbarkeit – gespeichert wird der Code als durchgehende Zeichenfolge.
ISRC beantragen: So bekommst du deinen Code
Es gibt zwei Wege – und einer davon kostet dich nichts:
Über deinen Musikvertrieb (kostenlos): Distributoren wie recordJet, TuneCore, DistroKid oder iGroove vergeben beim Upload automatisch eine Kennung pro Track. Für die meisten Artists ist das deshalb der einfachste Weg – du musst nichts beantragen.
Direkt beim BVMI (eigener Erstvergabeschlüssel): Labels und Selbstvermarkter, die ihre Codes unabhängig vom Vertrieb verwalten wollen, beantragen beim Bundesverband Musikindustrie (BVMI) einen eigenen Erstvergabeschlüssel. Dafür fällt allerdings eine einmalige Bearbeitungsgebühr an; die aktuelle Höhe nennt der BVMI auf seiner Website. Danach vergibst du deine Codes selbst – ohne weitere Kosten pro Aufnahme.
Wichtig: Vergib niemals denselben Code für zwei verschiedene Aufnahmen und erfinde keine Codes – denn doppelte oder ungültige Kennungen führen zu falschen Zuordnungen bei Streams und Tantiemen.
Unterschied zu EAN/UPC und ISWC
Die drei Kennungen werden zwar oft verwechselt, beziehen sich aber auf unterschiedliche Ebenen eines Releases:
| Kennung | Identifiziert | Beispiel |
|---|---|---|
| ISRC | die einzelne Tonaufnahme (Track) | jede Aufnahme deines Albums einzeln |
| EAN/UPC | das Produkt als Ganzes (Barcode) | das Album oder die Single als Verkaufseinheit |
| ISWC | das Werk (Komposition/Text) | der Song unabhängig von der Aufnahme, relevant für die GEMA |
Ein Album hat also einen EAN/UPC-Barcode, aber pro Track eine eigene Aufnahme-Kennung – und jedes enthaltene Werk bekommt zusätzlich einen ISWC.
Wann brauchst du den Code?
Spätestens bei der Veröffentlichung: Streaming-Plattformen akzeptieren keine Tracks ohne Kennung (dein Vertrieb vergibt sie sonst automatisch). Für Chart-Platzierungen ist der Code ebenfalls Pflicht, weil die Charts darüber ermittelt werden. Außerdem wird er für die Anmeldung bei der GVL und für Airplay-Auswertungen im Radio benötigt. Wer eine CD presst oder ein Vinyl-Release plant, sollte die Codes deshalb direkt ins Master einbetten lassen – dann liest jeder Abspiel- und Erfassungsweg dieselbe Kennung aus.
ISRC beim Mastering einbetten lassen
Auf einer Audio-CD wird der Code nicht als Datei-Tag gespeichert, sondern beim Mastering in den Subcode jedes Tracks geschrieben. Genau das übernehmen wir beim DDP-Mastering fürs Presswerk: Du lieferst uns deine Codes (vom Vertrieb oder aus deinem eigenen BVMI-Kontingent), wir betten sie anschließend zusammen mit CD-Text und Pausenzeiten in das presswerkfertige DDP-Image ein. Auch beim regulären Online-Mastering denken wir den Release-Workflow mit – damit dein fertiges Master nicht an Formalitäten scheitert, kurz bevor es ins Presswerk oder zum Vertrieb geht.
FAQ – Häufige Fragen zum ISRC
Wo bekomme ich einen ISRC-Code her?
Am einfachsten über deinen Musikvertrieb: recordJet, TuneCore, DistroKid und Co. vergeben beim Upload automatisch einen Code pro Track. Alternativ beantragst du beim BVMI einen eigenen Erstvergabeschlüssel und vergibst deine Codes anschließend selbst.
Was kostet ein ISRC-Code?
Über den Vertrieb ist die Vergabe kostenlos. Wer dagegen einen eigenen Erstvergabeschlüssel direkt beim BVMI beantragt, zahlt zunächst eine einmalige Bearbeitungsgebühr – danach kannst du beliebig viele Codes ohne weitere Kosten selbst vergeben.
Brauche ich einen ISRC für Spotify?
Ja – ohne Kennung nimmt keine Streaming-Plattform deinen Track an. In der Praxis musst du dich allerdings um nichts kümmern: Dein Distributor vergibt den Code automatisch beim Upload.
Was ist der Unterschied zwischen ISRC und EAN/UPC?
Der ISRC identifiziert die einzelne Tonaufnahme, der EAN/UPC-Barcode dagegen das Produkt als Verkaufseinheit. Ein Album hat also einen EAN, aber pro Track einen eigenen Aufnahme-Code.
Bekommt ein Remix oder Remaster einen neuen ISRC?
Ja. Jede neue Version – Remix, Radio-Edit, Remaster, Live-Mitschnitt – gilt als neue Aufnahme und braucht deshalb eine eigene Kennung. Nur die unveränderte Wiederveröffentlichung behält den bestehenden Code.
Wo finde ich den ISRC eines veröffentlichten Songs?
Im Portal deines Vertriebs, in den Song-Credits bzw. Metadaten der Streaming-Plattformen – oder zum Beispiel über die öffentliche Suche der IFPI.